Was junge Athleten motiviert und wie du sie förderst

Jubis motiviert

Junge Athleten zu motivieren ist eine der grössten Herausforderungen für Eltern und Trainer. Schon einige haben deshalb graue Haare bekommen.

Problematisch wird es vor allem dann, wenn Trainer und Eltern das Gefühl haben, ihre Schützlinge sind für Höheres bestimmt. Dann setzen sie sie subtil unter Druck.

Schon mancher talentierte Athlet hat diesem äusseren Druck nicht standgehalten und sich demotiviert und desillusioniert aus der Welt des Sports verabschiedet.

Warum?

Eltern (und auch manche Trainer) reden schnell davon, wie talentiert ihr Schützling ist. Natürlich wollen sie dann nur das Beste für ihr Kind. Ihm Rahmenbedingungen schaffen, damit er den Olymp erreichen kann.

Dann ist nur das Beste gut genug.

Was ihnen jedoch nicht in den Kopf geht, ist die Tatsache, dass ihr Schützling nicht die gleichen Ambitionen mitbringt. Dann beklagen sie sich darüber, dass ihr Junge aus ihrer Sicht wenig Motivation für das Training zeigt.

Dabei sieht doch jeder, was in ihm steckt. Wenn er das nur endlich begreifen würde und sich mehr anstrengen.

Ab jetzt wird motiviert und gepusht, damit aus dem Jungen etwas wird. Das ist doch ganz natürlich. Jemand muss es doch tun, oder?

Unterschiedliche Bedürfnisse

Bei vielen jungen Athleten steht die Leistung (noch) nicht an erster Stelle.

Ihre Motivation fürs Training deckt sich nicht mit den Vorstellungen der Eltern und Trainer, die sie schon mit der Goldmedaille auf dem Treppchen sehen.

Die jungen Athleten haben anderes im Kopf. Sie wollen Teil eines guten Teams sein, sich spielerisch konkurrenzieren und ja, sie geben ihr Bestes.

Mit was für einem Eifer junge Athleten beim Training dabei sind, beeindruckt mich immer wieder. Da wird gehüpft, gesprungen, gelernt und natürlich auch konkurrenziert.

Wenn du jetzt kommst und unnötigen Druck ausübst, weil du das Gefühl hast, er kann mehr oder müsste sich mehr anstrengen …

… machst du viel kaputt.

Ich meine jetzt nicht das übliche und nervige „Null Bock, ich schau mal, wo die Grenzen sind“-Gehabe. Obwohl auch das zum Spiel gehört. 😉

Falsche Motivation

Klar liegen Athleten, die körperlich gut für ihre Sportart entwickelt sind, im Wettkampf vorne. Diese werden dann besonders gefördert. Manchmal mit fatalen Folgen.

2006 legte die Hamburgerin Jule Assman den Wien-Marathon im Alter von 13 Jahren in der unglaublichen Zeit von 3:10 h zurück! Eine Zeit, die für manchen gut trainierten Hobbyläufer unerreichbar ist.

Ich fragte mich, wer ihr die Starterlaubnis dafür gegeben hat. Da wurde auf der ganzen Linie versagt.

Das Wunderkind Jule hatte Sponsorenverträge, Medienpräsenz und eine rosige Zukunft vor sich. Theoretisch.

Heute findet man sie nicht mehr in den Ranglisten. Sie hat dem Leistungsport den Rücken gekehrt.
Oder wie eine Zeitung geschrieben hat: „Einmal Leistungssport und zurück“.

Nicht viel besser erging es der talentierten Baselbieter Läuferin Christine Hofmeier. In jungen Jahren wurde sie als Supertalent gehandelt. Auch dieser Stern verglühte schnell.

Die beiden hatten eine Gemeinsamkeit: Einen Vater, der ihr Talent früh erkannte – die Bedürfnisse leider nicht – und die Mädchen bis zur (Selbst-)Aufgabe förderte.

Erinnerst du dich an die Tennisspielerin Anna Kurnikova? Ihre Mutter zerrte sie schon als Kind vor die Medien und schickte sie in die Tennis-Akademie von Nick Bollettieri. Sportlich hat sie keine grossen Stricke zerissen. Wegen ihrem hübschen Gesicht, der langen blonde Mähne und ihrer schönen langen Beine wurde sie immerhin reich und berühmt.

Druck motiviert nicht

Für die meisten jungen Athleten ist Druck kontraproduktiv und alles andere als motivierend. Eltern und manche Trainer sehen das meistens anders.

Die Athleten wollen Spass und nicht primär die Erwartungen der Eltern erfüllen.

Obwohl …

… sie das aus einem schlechten Gewissen heraus immer wieder tun. Schliesslich wollen sie den Eltern gefallen.

Wenn Mama und Papa schon viel Geld und Zeit investieren, müssen sie sich schon anstrengen und gute Miene zum bösen Spiel machen.

Nur macht das keinen Spass und ist langfristig nicht leistungsfördernd. Klar gibt es immer wieder Beispiele, die das Gegenteil beweisen … wenn man die seelischen Schmerzen der Wunderkinder grosszügig ausblendet.

Wenn das Unbewusste rebelliert, körperliche Beschwerden auftauchen oder die Verletzungshexe mehr als üblich zuschlägt, kommt das nicht von ungefähr.

[BBSocial]Children must be taught how to think, not what to think.
– Margaret Mead[/BBSocial]

Individuell fördern, ja aber …

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass jeder von individueller Förderung spricht?

Gelebt wird das kaum. Kaum entwickelt sich ein Jugendlicher nicht der „Norm“ entsprechend, gibt es Krisensitzungen und es werden Sofortmassnahmen ergriffen. Nicht nur im Sport.

Dann ist es schnell vorbei mit der Individualität.

Dabei weiss jedes Kind, dass es Früh- und Spätentwickler gibt. Manche lernen schnell, andere langsam.
Was ist daran aussergewöhnlich?

Und trotzdem hält sich der Talent-Mythos hartnäckig. Das ist jedoch eine andere Geschichte.

Wie war das noch einmal mit der Motivation?

Motiviert oder demotiviert?

Sie wollen das tun, was ihnen Freude macht und sich nicht auf das fokussieren, was von ihnen erwartet wird.

Dort kannst du sie besser abholen, als wenn du sie wie eine Puppe nach deinen Vorstellungen tanzen lässt.

Versuche auch zu verstehen, was deinem Jungen wenig Freude bereitet.

Natürlich ist das Training kein Ponyhof. Jeder junge Athlet wird sich für Trainingsformen motivieren müssen, die er nicht mag, oder Tage haben, an denen er keinen Bock aufs Training hat.

Für ihre eigenen Ziele können sich junge Athleten besser motivieren als für die Ziele, die du ihnen bewusst oder unbewusst aufs Auge drückst. Ihre Träume geben ihnen Kraft und Energie.

Champions werden nicht in Trainingshallen gemacht. Champions werden durch etwas gemacht, das sie in sich tragen: ein Verlangen, einen Traum, eine Vision. Sie brauchen aussergewöhnliche Ausdauer, sie müssen ein wenig schneller sein, sie brauchen die Fähigkeiten und den Willen. Aber der Siegeswille muss stärker sein als die Fähigkeiten.
– Muhammad Ali

Kennst du die Träume von deinem Jungen?

Es gibt junge Athleten, die schon früh vom grossen Erfolg träumen. Sie wollen ihre Fähigkeiten verbessern, physisch stärker werden oder einfach Flow erleben. Das macht Spass.

Oder einfach ein cooles Training oder einen aufregenden Wettkampf erleben. Am besten mit den Kollegen in einem guten Team. Dann fühlen sie sich zugehörig und das gibt ihnen ein gutes Gefühl.

Kritik von Eltern oder Trainern, ausbleibender Erfolg, mangelnde Fortschritte oder der fehlende Spassfaktor dagegen demotiviert.

Jetzt du!

Du kannst deinen Jungen unterstützen, indem du ihn in seinem Sport mit seinen Möglichkeiten akzeptierst.

Unterstütze deinen Jungen in seiner eigenen Entwicklung. Das machst du nicht, indem du ihn andauernd mit den anderen vergleichst und unter Druck setzt.

Jeder entwickelt sich in seinem Tempo. Gibst du ihm diese Möglichkeit?

Gehe als gutes Beispiel voran und zeige deinem Jungen, was es braucht, um mit Freude und motiviert beim Sport zu sein. Mit Fernsehsport und Kritik von der Seitenlinie funktioniert das nicht.

Junge Athleten brauchen Vorbilder. Bist du ein Vorbild für deinen Jungen?

Unterstütze deinen Jungen, sich auf seine Ziele zu fokussieren und seine Grenzen zu entdecken. Stehe ihm moralisch bei, wenn es einmal nicht so gut läuft, und erinnere ihn an seine Ziele. Dabei spielt es keine Rolle, was du denkst, das er erreichen soll.

Es geht nur um ihn!

Um dein wahres Potenzial zu entdecken, musst du zuerst deine eigenen Grenzen finden und dann musst du den Mut haben, sie zu überschreiten.
– Picabo Street

Das gilt für deinen Jungen genauso wie für dich.

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass du mit dem Unbewussten im Boot mental stärker bist.

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