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Hast du dich auch schon gefragt, warum du dich für oder gegen etwas entscheidest, obwohl du dies nicht in Worte fassen kannst? Gibt es Situationen, die bei dir ein schlechtes Gefühl auslösen und du weisst nicht, warum? Und was hat das mit deinem Unbewussten zu tun? Mir ging es lange Zeit auch so, bis ich lernte, die Signale aus dem Unbewussten wahrzunehmen.

Riesiger Erfahrungsspeicher

Der Hirnforscher Gerhard Roth geht davon aus, dass all deine Erfahrungen im emotionalen Erfahrungsgedächtnis gespeichert sind. Mit diesem riesigen Erfahrungsspeicher arbeitet dein Unbewusstes.

Jede deiner Erfahrungen ist mit einer Bewertung im emotionalen Erfahrungsgedächtnis abgelegt. Diese werden nach einem einfachen Prinzip bewertet: Die Erfahrung war gut für dich, dann wird sie mit einer positiven Emotion (Affekt) in deinem „Belohnungssystem“ gespeichert. War es eine schlechte Erfahrung, hinterlässt sie eine negative Emotion im „Angstsystem“.

Sobald du wieder in eine vergleichbare Situation kommst, meldet sich dein Unbewusstes blitzschnell. Es sendet dir diffuse Signale. Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio nennt diese Signale „somatische Marker“ („Soma“ ist Griechisch für „Körper“).

Stop oder Go

Somatische Marker kannst du als Körperempfindung, als Emotion oder als einen Mix von beidem wahrnehmen. Die Rückmeldung geschieht aufgrund deiner gemachten Erfahrungen. Diese sind das „Signalsystem“ deines Unbewussten. Es teilt dir mit, ob eine vergleichbare Situation gut für dich war und du dich annähern kannst (Go). Oder ob sie schlecht für dich ausging und du sie besser vermeiden solltest (Stop).

Jeder nimmt seine somatischen Marker unterschiedlich und individuell wahr. Vielleicht spürst du sie als Körperempfindung in Form von einem angenehmen Kribbeln oder als Wärmegefühl im Bauch – daher umgangssprachlich der Ausdruck „Bauchgefühl“. Ein negativer somatischer Marker schnürt dir die Kehle zu oder führt zu „Bauchschmerzen“. Möglicherweise spürst du sie auch als starke Emotionen. Nach einem super Wettkampf fühlst du dich frei, leicht und beschwingt. Im umgekehrten Fall deprimiert, traurig und lustlos.

Wie du diese Signale wahrnimmst, ist völlig egal. Entscheidend ist, dass du sie wahrnimmst und weisst, wie du sie einschätzen musst. Denn über deine somatischen Marker hast du Zugang zu deinem Unbewussten und deinen gesammelten Lebenserfahrungen!

Wenn du das nächste Mal ein „Grummeln“ im Bauch spürst, lohnt es sich, innezuhalten und darüber nachzudenken, woher das kommt!

Übung macht den Meister

Gut beobachten kannst du deine somatischen Marker direkt nach dem Zieleinlauf, dem Schlusspfiff oder dem letzten Punkt. Eine Niederlage oder ein schlechtes Ergebnis löst bei dir womöglich blitzschnell eine negative Emotion oder ein entsprechendes Körpergefühl aus. Wie fühlt sich das bei dir an?

Was passiert hingegen, wenn du deinen Gegner besiegst, die Eins oder eine persönliche Bestzeit auf der Anzeigetafel erscheint? Das fühlt sich ziemlich gut an, oder nicht?

Somatische Marker können alleine durch die Erinnerung an eine Situation oder ein Objekt ausgelöst werden.

Eine kleine Übung

Nachfolgend habe ich dir zwei Figuren gezeichnet.

Eine für negative

negativer Marker

und eine für positive somatische Marker.

positive Marker

  • Kopiere diese Figuren auf ein Blatt Papier und nimm ein paar Buntstifte zur Hand.
  • Erinnere dich an deinen letzten Misserfolg und/oder an deine letzte empfindliche Niederlage und die dazugehörige(n) Körperempfindung(en).
  • Zeichne deine negativen somatischen Marker sowie hinzugedachte Umgebungsmerkmale in die Figur ein. Lass deiner Phantasie dabei freien Lauf!
  • Benenne und beschreibe deine Körperempfindung im zweiten Schritt.
  • Wiederhole das Gleiche für deinen letzen Erfolg oder deinen letzten Sieg mit der zweiten Figur.

Beobachte dich in den nächsten Wochen. Wo und in welchen Situationen machen sich somatische Marker sehr deutlich bemerkbar, wann spürst du sie nur leicht?

Fazit

Somatische Marker sind das „Signalsystem“ deines Unbewussten. Wie du sie wahrnimmst, ist völlig egal, solange du sie wahrnimmst. Beachtest du deine somatischen Marker und schenkst ihnen Bedeutung, helfen sie dir in Entscheidungssituationen!

„Ein Mann, der das Bogenschießen lernte, stellte sich einmal mit zwei Pfeilen vor der Zielscheibe auf. Darauf wies ihn sein Lehrer zurecht: ‚Anfänger dürfen nie über zwei Pfeile auf einmal verfügen; sie verlassen sich sonst auf den zweiten und gehen sorglos mit dem ersten um. Sie sollten lieber davon überzeugt sein, dass die ganze Entscheidung von dem einen Pfeil abhängt, den sie gerade aufgelegt haben.” (Yoshida Kenko)

Wie du mit dem Unbewussten im Boot gute Entscheidungen triffst, erzähle ich dir nächste Woche.

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.

 

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