Seite auswählen

Ohne Ziel – keine Handlung! Das ist keine neue Weisheit. Und trotzdem kommst du mit deinen Zielen nicht vom Fleck. Mancher würde sagen: Deine Ziele sind zu hoch gegriffen, nicht spezifisch genug oder die Zeit ist noch nicht reif. Das kann durchaus stimmen. Ich behaupte noch etwas anderes. Es mangelt dir an der Identifikation mit deinem Ziel.

Ich weiss, das ist eine gewagte Aussage. Wenn du bis zum Ende liest, wirst du sie jedoch verstehen und noch mehr als das!

Ziele motivieren

Ziele sind ein wichtiger Motor für Motivation und haben einen grossen Einfluss auf deine Handlungen. Motivation entsteht, wenn ein Motiv angeregt wird oder ein Ziel für dich erstrebenswert ist. Motivation ist demzufolge ein „temporärer Zustand der Energetisierung“, welche dir Handlungsenergie gibt. Diese wird so lange aufrechterhalten, bis das Motiv gesättigt oder das Ziel erreicht ist. Dann beginnt das Ganze wieder von vorne.

Wie stark deine Motivation ist, hängt davon ab, wie bedeutend und wichtig ein Ziel für dich ist und wie stark deine unbewussten Motive gesättigt sind.

Spezifische Ziele

Im Sport liegt der Fokus oft sehr stark auf spezifischen Zielen. Wie schnell willst du die 100 m laufen oder schwimmen? Welche Platzierung peilst du an oder welches Trainingsziel steht im Vordergrund? In der Wirtschaft kennt man spezifische Ziele als SMART-Ziele.

SMART ist das Akronym für Specific (spezifisch) / Measurable (messbar) / Assignable (zuordenbar) / Realistic (realistisch) / Time-related  (terminiert)

Das heisst ein spezifisches Ziel sollte diese Kriterien erfüllen, damit es ein gutes und handlungswirksames Ziel ist. Über SMART-Ziele wurde eine Menge geschrieben, ein paar Artikel dazu findest du hier, hier, hier und hier.

Spezifische Ziele, mit denen du dich identifizierst und deren Erreichen gut und konkret geplant werden kann, haben eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Erfolg. D.h. wenn auch eine passende Strategie zur Umsetzung vorhanden ist.

Erfolgsversprechende Faktoren für spezifische Ziele

Einfach, strukturiert und ergebnisorientiert

Spezifische Ziele sind besonders erfolgversprechend bei Aufgaben, die einfach strukturiert sind und sich an einem klaren Ergebnis orientieren. Beispielsweise im Training 4 x 10 Serien 400 m in einer bestimmten Zeit laufen, schwimmen oder was auch immer. Oder die 10 km unter 34’ laufen.

Das sind auch Ziele, die fast ausschliesslich das Leistungsmotiv ansprechen. Damit das Leistungsmotiv überhaupt angeregt wird, muss die Wahrscheinlichkeit 50/50 sein, dass du das Ziel erreichen kannst. Zu anspruchsvolle Ziele sind gleichermassen demotivierend wie „Pipifax“-Ziele.

Innere Verpflichtung

Wenn die innere Verpflichtung fehlt und du keinen Sinn im Ziel siehst, sind spezifische Ziele zum Scheitern verurteilt. Psychologen und Sportpsychologen haben für die „innere Verpflichtung“ einen speziellen Begriff: Goal-Commitment.

Das Goal-Commitment (Zielbindung) ist die innere Verpflichtung, ein Ziel zu erreichen. Es ist ein wichtiger Faktor, ob ein Ziel erreicht wird oder nicht.

Hohe und anspruchsvolle Ziele fördern deine Leistung, wenn du dich auch innerlich verpflichtet fühlst.

Reagierst du ausschliesslich auf das Rüebli, das man dir vor die Nase hält, sprechen die Sportpsychologen von extrinsischer Motivation. D.h. äussere Belohnungen wirken auf dich motivierend und deine Aufmerksamkeit richtet sich auf das Ziel und das Ergebnis.

Im Gegensatz dazu steht bei der intrinsischen Motivation die Tätigkeit selbst im Vordergrund. Diese ist wichtiger als das Ziel. Du bist motiviert, wenn du deinen Herausforderungsgrad selbst aussuchen kannst. Dabei kann es auch zu Flowerleben kommen. Die intrinsische Motivation ist auch geprägt von deinen persönlichen Werten und deiner Haltung.

Wenn du beispielsweise keinen Sinn in einem Ausdauertraining siehst, wirst du dieses kaum vernünftig absolvieren. Auch wenn das Trainingsziel sauber formuliert ist. Das beeinflusst natürlich auch deine Gesamtplanung. Jetzt wird es schon komplex …

Keine bewussten oder unbewussten Zielkonflikte

Du bist im Training und dein Freund ist gerade dort angekommen, um dich abzuholen. Der Zielkonflikt mag hier etwas einfach dargestellt sein. Er hat jedoch Einfluss auf das Erreichen von deinem spezifischen Trainingsziel. Die letzten Serien wirst du nicht mehr so konsequent absolvieren, weil jetzt ein anderes Ziel (Zeit mit Freund verbringen) eine höhere Priorität bekommen hat und im Konflikt mit deinem Trainingsziel steht.

Viele Zielkonflikte sind jedoch unbewusst. Erlaubt ist hier auch die Frage:

Wessen Ziele verfolgst du und wer hat für dich entschieden?

Verfolgst du beispielsweise ein Ziel deiner Eltern oder deines Trainers, ohne dass dir das bewusst ist, sprechen die Sportpsychologen von „Introjektion“. Oft werden solche „introjektiven Ziele“ verfolgt, um es anderen recht zu machen und Schuldgefühle zu vermeiden.

Der Konflikt entsteht, weil du unbewusst andere Bedürfnisse und Ziele hast. Also etwas anderes willst, als du denkst, dass du willst. Deine Leistung leidet und du weisst eigentlich gar nicht genau, warum. Weil es auf einer unbewussten Ebene abläuft.

Ziel verfehlt

Du hast ein Ziel verfehlt, obwohl du eigentlich alles richtig gemacht hast?

Stell dir einmal folgende Fragen:

Verfolge ich ein einfach strukturiertes und ergebnisorientiertes Ziel?

Grosse sportliche Ziele, Lebensziele und „Träume“ sind alles andere als einfach strukturiert und ergebnisorientiert. Wenn dir zudem die Fähigkeiten und eine geeignete Strategie, dein Ziel zu erreichen, fehlen, wirst du daran scheitern.

Fühle ich mich innerlich verpflichtet?

Fehlt die innere Verpflichtung, die Identifikation und das Feuer für dein Ziel und das, was du tust, wird es schwierig. Ohne eine starke Zielbindung wirst du kaum genügend motiviert sein, dein Ziel mit letzter Konsequenz zu erreichen.

Wessen Ziele verfolge ich?

Schon kleine Zielkonflikte können dich vom Weg abbringen. Weil unbewusst ein ganz anderer Film bei dir abläuft. Ziele, die nicht deine eigenen sind oder mit diesen im Konflikt stehen, werden dich bremsen.

Wenn es an einem der letzten drei Punkte hapert, ist es auch vorbei mit der Motivation. Deine Handlungsenergie geht verloren.

Mit Selbstkontrolle und Disziplin kannst du deine Ziele weiterhin verfolgen. Für ein ungeliebtes Training oder eine einzelne Prüfung mag das o.k. sein. Wenn du dich jedoch über einen längeren Zeitraum konstant disziplinierst und mit viel Selbstkontrolle an deinem Ziel festhältst, ist das alles andere als smart. Das macht keinen Spass, ist in höchstem Mass frustrierend und im Endeffekt alles andere als zielführend.

Ein anderes Ziel muss her

Du fragst dich sicher: Ja, aber, was soll ich denn tun? Du brauchst ein anderes Ziel, das motivierend ist und dein Unbewusstes anspricht. Nur mit dem Unbewussten im Boot verfolgst du deine Ziele mit Freude und Spass.

Was für ein Zieltyp das ist und welche Ziele wann erfolgsversprechend sind, erzähle ich dir nächste Woche.

Bis dahin kannst du Folgendes tun:

  • Achte auf Ziele, die ein „schlechtes“ Gefühl bei dir auslösen. Das könnte ein Hinweis für einen Zielkonflikt sein.
  • Achte auf Ziele, bei denen du dich andauernd überwinden musst. Das könnte ein Hinweis für eine mangelnde Zielbindung sein.
  • Überlege dir einmal: Sind deine Ziele wirklich deine Ziele? Oder denkst du einfach, dass es deine Ziele sind?
  • Und zu guter Letzt: Identifizierst du dich überhaupt mit deinen Zielen?

Hinterlasse mir einen Kommentar, wenn du (Trainings-, Wettkampf-, Schul-, Studien-)Ziele entdeckst, die du eher lustlos verfolgst oder bei denen du dich immer wieder „disziplinieren“ musst.

Ich bin gespannt, was da zusammenkommt!

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Nutze deine Möglichkeiten.

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.

 

 

Teile mich mit deinen Freuden










Submit