Stell dir vor, jeder Trainer würde sich nur noch mit Spitzenathleten abgeben. Die Startrainer wären innert kürzester Zeit arbeitslos. Du denkst, das ist eine gewagte Aussage?!

Im Gegenteil! Hast du dir schon einmal überlegt, wer die ganze Grundlagenarbeit macht? Die Startrainer sind es nicht. Athleten, die den Sprung in die Nationalmannschaft oder in die erste Mannschaft von einem Profiverein schaffen, haben eine gute Grundausbildung von einem Nachwuchstrainer genossen.

Ohne ihre Arbeit gäbe es keine Spitzenathleten. Nur holt man sich als Nachwuchstrainer wenig Lorbeeren. Und wenn, dann geht man schnell wieder vergessen.

Frage ich dich nach dem aktuellen Trainer von Daniela Ryf, Lindsey Vonn, Roger Federer, Felix Neureuther oder Gregor Schlierenzauer, musst du nicht lange nachdenken. Vorausgesetzt, du interessierst dich für diese Sportart.

Von wie vielen Spitzenathleten kennst du den Juniorentrainer? Da musst du lange überlegen. Nicht? Ich auch!

Höchste Zeit, den Nachwuchstrainern ein wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Diese leisten phantastische Arbeit, selbst wenn das nicht immer so wahrgenommen wird. Von den Eltern werden sie eher mit Kritik eingedeckt.

Nachwuchstrainer brauchen ausserordentliche Fähigkeiten, damit sie junge Athleten individuell fördern und ihnen eine gute Grundausbildung geben können. Dabei müssen sie auch manchen Sturm überstehen.

Doch welche Fähigkeiten zeichnen einen guten Nachwuchstrainer aus? Ich wollte es genau wissen und stellte 15 ausgewiesenen Experten die folgende Frage:

Welche persönlichen und fachlichen Fähigkeiten zeichnen einen guten Nachwuchstrainer aus?

Die Antworten, die dabei zusammenkamen, sprechen für sich. Und los geht’s.


Fabian Bünker

Fabian BünkerLandestrainer GVNB, Diplom-Trainer, mehrfacher Deutscher Jugendmannschaftsmeister mit seinen Teams, PGA Golf-Profi, langjähriger Nationalspieler des Deutschen Golf Verbandes

Einen Trainer in der Nachwuchsarbeit zeichnen viele verschiedene Eigenschaften aus. Eine Grundvoraussetzung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist aber der Spaß an der Arbeit und vor allem, die Leidenschaft für den (jeweiligen) Sport vermitteln zu wollen.

Ein Nachwuchstrainer muss in den Sportlern, die er betreut, das „Feuer“ für die Sportart entfachen. Das kommt aus meiner Sicht vor allen anderen Eigenschaften. Der Wunsch, die jungen Athleten besser machen zu wollen, sie zu motivieren, besser werden zu wollen und sie langfristig erfolgreich zu machen, muss in einem Trainer für den Nachwuchs tief verankert sein. Nur dann lassen sich die Phasen wie z. B. die einer leistungstechnischen Stagnation in der Pubertät oder durch schulische Probleme auch von Trainerseite aus „ertragen“, ohne dass es zu Frust und negativen Spannungen in der Zusammenarbeit kommt.

Darüber hinaus muss ein Nachwuchstrainer fachlich top ausgebildet sein und sich regelmäßig fortbilden. Ohne eine theoretische fachliche Ausbildung, die am besten durch tiefes Praxiswissen und eine eigene Leistungssporterfahrung ergänzt und abgerundet wird, kann aus meiner Sicht niemand als Trainer im Nachwuchsbereich arbeiten. Es gibt sicherlich Ausnahmen, die sehr erfolgreich sind.

Alleine aber das Wissen um alters- und geschlechtsspezifische Entwicklungsstadien und der damit verbundenen Trainings- und Wettkampfplanung und -steuerung gehört zum Alltagsgeschäft im Kinder- und Jugendsport und muss, verbunden mit pädagogischen und kommunikativen Fähig- und Fertigkeiten, zum fachlichen Standardrepertoire des Trainers gehören. Und all das kann sich ein Trainer nicht ohne eine sportwissenschaftliche Ausbildung aneignen.

In der Sportart Golf, in der ich als Trainer arbeite, gehört noch ein großes Materialwissen zu den Dingen, die ein Trainer beherrschen muss. Kinder und Jugendliche, die mit dem Golfsport beginnen, benötigen – wie in anderen Sportarten auch – ein speziell auf sie zugeschnittenes Sportequipment. Dieses Equipment muss an die Bedürfnisse und Voraussetzungen des jeweiligen Sportlers angepasst sein. Denn ohne das passende Material wird sich der beste Nachwuchssportler langfristig nicht ideal entwickeln und evtl. sogar körperliche Schäden davontragen.

Meine Webseiten: www.fabianbuenker.de und www.golfmaniacs.de


Jara Späte

Jara SpäteSportklettern, 3. Jugend EM 2014, 15. Boulderweltcup München 2015, Schweizermeisterin, EM- und WM-Teilnehmerin

Der Nachwuchs kann sich auf die nächsten Olympischen Spiele vorbereiten oder einmal pro Woche trainieren. Aus eigener Beobachtung macht der Sport dann Spass und man gibt Gas, wenn man Fortschritte sieht. Dies ist unabhängig von dem Ziel des Athleten.

Deshalb müssen die Grundeigenschaften der Nachwuchstrainer gleich sein wie die von einem Elitetrainer.

Als erstes braucht ein Nachwuchstrainer ein fundiertes Wissen über seinen Sport. So kann er einen guten Trainingsplan aufstellen und gute Tipps geben. Ein guter Tipp bringt bei der Umsetzung den Athleten einen erkennbaren Schritt weiter zu seinem Ziel. Dies setzt voraus, dass der Tipp beim Athlet ankommt. Es bringt nichts, wenn der Nachwuchstrainer die besten Tipps hat, sie dem Athleten aber nicht in gewünschter Weise übermitteln kann.

Des Weiteren sollte er in stetiger Kommunikation mit dem Athleten stehen. Dadurch kann er das physische Potenzial besser ausschöpfen, da er die Grenzen seines Athleten kennt und Verletzungen vorbeugen kann. Zu einer guten Kommunikation gehört auch, dass der Trainer den Athlet bestätigt, wenn er etwas gut macht.

Auch der beste Trainer ist nie perfekt. Deshalb macht es Sinn, gewisse Trainingseinheiten bei einem anderen Trainer zu nehmen. Aus eigener Erfahrung kann es sein, dass genau dieser andere Trainier den goldenen Hinweis hat. Diese Möglichkeit sollte von einem gutem Trainier zugelassen und unterstützt werden. Dabei sollten die unterschiedlichen Trainer immer miteinander reden, so wird der Athlet nicht durch konträre Meinungen verunsichert.

Und zuletzt sollte einem guten Trainer das Training Spass machen.


Nathanael Adolf

Adolf_NathanaelNachwuchstrainer SV Basel, Regionalkader-Trainer, Master Schweizermeister

Ein guter Nachwuchstrainer braucht die Fähigkeit, sich in das Alter seiner Sportler versetzen zu können, um zu erkennen, wie er ihnen etwas am besten vermitteln kann.

Er denkt dabei nicht nur daran, mit den Kindern und Jugendlichen technische und koordinative Fortschritte zu erzielen, sondern auch, dies auf einem nachhaltigen Weg zu erreichen; sie in die Lernprozesse hineinblicken zu lassen und ihnen ein Verständnis für ihr Training zu vermitteln.

Er hat Verständnis für die „Probleme“ von Kindern und Jugendlichen, vergisst dabei aber das Ziel, die sportliche Entwicklung nicht. Er handelt nach einer klaren Linie, ohne vollkommen stur und kompromisslos zu sein.

Fachlich muss auch der Nachwuchstrainer „State of the Art“ sein, denn die technischen Trainingsinhalte im Nachwuchsbereich bilden stets die Grundbausteine, um sich im Anschluss- und Elitebereich auf höchstem Niveau weiterentwickeln zu können.

Zudem gehört es ein Stück weit zu einem guten Nachwuchsathleten, dass er neugierig ist und seinen Trainer mit Fragen über den Weltstand, die neuesten Erkenntnisse und die aktuellen Top-Athleten löchert. Als Nachwuchstrainer will für diesen Sportler stets eine Antwort parat haben und ihm die Sicherheit vermitteln, dass er bei mir fachkompetent aufgehoben ist.

Meine Website: www.svbasel.ch


Oliver Gutenberg

Oliver GutenbergCheftrainer Squasharena Uster

Ich denke, nichts ist so vielfältig wie der Weg zum Nachwuchstrainer und der Job an sich. Zum Verständnis für den Athleten ist es sicher von Vorteil, wenn man selber eine Juniorenkarriere hinter sich gebracht hat, aber das ist kein Must.

Man kann drei unterschiedliche Nachwuchstrainer-Bereiche unterscheiden:

  1. Erster Kontakt
    In Bereichen wie Schulsport, Ferienaktivitäten, Anfängerkursen, etc. geht es darum, die eigene Begeisterung für die Sportart den Kindern zu transportieren und rasche Erfolge und Handlungsfähigkeit zu erreichen.
    Persönlich sehe ich davon ab, zu viele Inputs zu geben. Das Erleben der Sportart soll im Zentrum stehen. Der Trainer als Persönlichkeit ist gefragt, etwas Humor, Verkaufsgeschick und etwas fachliches Grundwissen.
  2. Basistraining
    Wenn sich das Kind mal für eine Sportart entschieden hat, wird es schon etwas anspruchsvoller. Es gilt zu evaluieren, wohin die Reise gehen soll und kann. Einige Faktoren sind zu beachten: Talent des Kindes, kann es „beissen“, Umfeld (Eltern, finanzielle Möglichkeiten, Zeit, Weg, Schule, Verein). J&S-Ausbildungen und vor allem Trainererfahrungen sind hilfreich. Leider kommt hier oft der Spass schon zu kurz. Es wird vergessen, dass nur ein sehr kleiner Anteil „es später mal schafft“. Die anderen möchten schon was leisten, aber vor allem FUN haben!
  3. Hochleistungstraining
    Natürlich zählen hier vor allem Resultate, Leistungsausweise etc. des Trainers. Das Gespür für den Athleten erachte ich als wichtigsten Teil. Hochleistungssport im Juniorenalter ist ein Tanz auf dem Vulkan, alles ist in Bewegung (Körper, Psyche, Beziehungen etc.). Fähigkeiten, Situationen immer wieder neu einschätzen zu können, sich trotz Nähe immer wieder abgrenzen zu können, pushende Eltern mal „kalt“ zu stellen, sind gefragt.

Alle drei Bereiche sind interessant und anspruchsvoll … Ich darf in allen arbeiten, ein Privileg!

Meine Webseite: www.squash-arena.ch


Charles A. Keller

cak 2010

Kurz cak genannt, im Vorstand von Swiss Badminton, ehemaliger Trainer von zahlreichen Clubs in der Schweiz, Organisator der Swiss Junior Open in Genf, 25 Jahre im OK der Badminton Swiss Open in Basel

Als ehemaliger Juniorentrainer und Turnier-Organisator von Junioren-Turnieren sehe ich die Hauptaufgabe in der Motivation, den Jugendlichen einen Wettkampfsport spielerisch mit viel Freude zu vermitteln.

Da ein Jugendlicher während seiner Entwicklung mehrere körperliche und geistige Stufen bewältigen muss, ist das Erkennen der aktuellen Fähigkeiten eines/einer jungen Spieler/in in jeder Altersstufe eminent wichtig! Wie schnell wird einem 12-Jährigen eine Schlagkombination beigebracht (eintrainiert), welche dann beim nächsten Wachstumschub gar nicht mehr so funktionieren kann, da sein Körper in die Länge geschossen ist.

Für mich steht beim Jugendlichen auch nicht der Sieg im Vordergrund, sondern die Spielfreude und vielleicht auch die Beobachtungsgabe. Sie zu fördern heisst, zu erkennen, was der gegenüberstehende Spieler/in anders macht oder welche speziellen Fähigkeiten er zeigt. Der Nachwuchs lernt durch Sehen, Hören und Nachmachen am meisten!

Auch die Zeit vor dem Wettkampf oder Training und das Danach müssen bewusst mit den Eltern und den Jugendlichen abgesprochen und geplant werden. Es gibt keine „Nur“-Trainer!

Jugendliche muss man nicht im Sport fördern, sondern ihre gewaltige Energie in geordnete Bahnen lenken – dann geht vieles wie von selbst. Wer das nicht glaubt, darf gern mal zu einem unserer Juniorenturniere kommen und an der Begeisterung der jungen Menschen für den Sport teilhaben.

Meine Webseiten: www.swiss-junior-open.com, www.swissopen.com


Chantale Widmer

Chantale WidmerCurlerin

Auf Seiten der persönlichen Eigenschaften zeichnet sich für mich ein guter Nachwuchstrainer dadurch aus, dass er eine gute Mischung zwischen Humor und Strenge besitzt. Trainings und Wettkämpfe sind von einer hohen Konzentration gekennzeichnet, die der Coach durch seine Strenge erhalten soll, und doch sollte es für Athleten und Trainer lockere Situationen geben, die einem die Freude am Sport erhalten lassen.

Des Weiteren sollte er eine direkte und offene Kommunikation suchen, verbunden mit klaren und strukturierten Anweisungen. Als Rahmenbedingung dieser Voraussetzungen an einen Nachwuchstrainer steht der respektvolle Umgang, der sowohl vom Trainer als auch vom Athleten/vom Team selbst gefördert wird.

Fachliche Eigenschaften, die ein Nachwuchstrainer mitbringen sollte, sind sicherlich: Individuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten jedes einzelnen Athleten fördern und für Erfolgserlebnisse sorgen, sodass ihm die Motivation am Ausführen des Sportes bleibt. Fehler sollte er in vieler Hinsicht als etwas Positives darstellen, aus ihnen kann man dazulernen und einen weiteren Schritt in Richtung Perfektion erreichen.

Meine Webseite: www.teamsh.ch


Larissa Berchtold

Larissa_BerchtoldCurling, Vize-Schweizermeister Juniorinnen 2013

Ein guter Nachwuchstrainer muss nicht zwingend selbst ein rekordbrechender Athlet sein. Er sollte allerdings gute sportfachliche Kenntnisse im jeweiligen Sport mitbringen, wobei eine Mischung zwischen Technik und Taktik optimal ist. Während zielorientierter Trainings sollte eine gewisse Strenge durch den Trainer vorhanden sein, welche anschliessend mit einer eher lockeren und humorvollen Art ausgeglichen werden kann.

Ein kluger Trainer weiß, dass ein behutsames Aufbauen junger Talente langfristig zum Erfolg führt und bringt dementsprechend genügend Geduld und Umsicht mit. Kernaufgabe eines Trainers ist das Zusammenarbeiten mit Menschen unterschiedlichen Charakters. Einfühlungsvermögen und hervorragende kommunikative Fähigkeiten sind deshalb wichtige persönliche Eigenschaften. Ausserdem sollte ein guter Trainer Souveränität ausstrahlen und einem Team bei Entscheidungen zur Seite stehen.

Bei Wettkämpfen nimmt sich der Trainer Zeit, beurteilt die Spiele kritisch und versucht, das Maximum aus einem Team herauszuholen. Er behält in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf und kann motivieren. Schlussendlich gelingt es ihm, Dinge objektiv zusammenzufassen sowie Tipps und Denkanstösse zu geben.

Meine Webseite: www.teamsh.ch


René Paasch

Rene_PaaschSportpsychologe, Dozent, Fitnesscoach

Durch die stetigen Änderungen im Nachwuchsfußball verändern sich auch die persönlichen und fachlichen Anforderungen an einen Trainer. Diesen veränderten Anforderungen muss eine fundierte Trainerausbildung Rechnung tragen, indem die Ausbildungsinhalte an jene angepasst werden.

Die deutsche Fußballlehrer-Ausbildung genießt in diesem Zusammenhang im In – und Ausland eine hohes Ansehen (Rutemöller, 2007). Der fortschreitende Wandel kennzeichnet sich dadurch, dass Trainer schneller aus ihren Jobs wegen „fehlender Erfolge“ entlassen werden und schneller wieder einen neuen Job annehmen, als dies vor einigen Jahren der Fall war (Frick et al., 2008; Heuer et al. 2011).

Aus meiner Sicht sollte daher ein Nachwuchstrainer acht Kompetenzen nachweisen können, um kompetent und nachhaltig zu handeln: Organisationskompetenz, Sprachkompetenz, Ich- und Selbstkompetenz, Medienkompetenz, Sozialkompetenz, Fachkompetenz und Vermittlungs- und Methodenkompetenz. Neben diesen Kompetenzen existieren weitere Aspekte kompetenten Handelns, die ein Trainer im Nachwuchsbereich beherzigen sollte.

Um sich veränderten Anforderungen jederzeit anpassen zu können, sollte der Trainer über weitere Fähigkeiten verfügen. Eine Auswahl dieser Aspekte ist nachfolgend aufgeführt und soll als Anregung dienen: verbale und nonverbale Kommunikationsstärke, Vertrauenswürdigkeit, Ehrlichkeit, Offenheit, Empathie, Authentizität, Motivation, Loyalität und Kritikfähigkeit.

Die stetigen Veränderungen der Anforderungen an einen Trainer im Nachwuchsbereich machen es schwer möglich, ein standardisiertes Anforderungsprofil zu erstellen, das auf der Persönlichkeit des Trainers gründet. Vielmehr sind es die Aufgaben, die ein Trainer bewältigen muss und die als konkrete Anforderungen angesehen werden sollten.

Literatur:
Frick, B., Barros, C. P., Prinz, J. (2008). Analysing head coach dismissals in the german ‘‘Bundesliga” with a mixed logit approach. European Journal of Operational Research, S.1-9.

Heuer, A., Müller, C., Rubner, O., Hagemann, N., Strauss, B.(2011): Usefulness of dismissing and changing the coach in professional soccer. PloSOne, 6 (3): e17664.
doi:10.1371/journal.pone.0017664

Rutemöller, E. (2007). Trainer made in Germany. Fussballtraining, 25 (9), S. 6 – 13.

Meine Webseiten:  www.die-sportpsychologen.de


Frank Hanske

Frank_HanskeEishockeyspieler, Physiotherapeut, Personal Trainer, Fitnessblogger – entrümpelt überladene Fitnesspläne und forciert effektive Workouts … weil effektives Training kein Zufall ist

Ich hatte das große Glück, schon im Kindesalter von einer Trainerlegende trainiert zu werden. Aber als Kind war mir nicht bewusst, wie herausragend seine fachlichen Kompetenzen waren. Und ganz ehrlich: Als Kind war mir das auch herzlich egal. Denn mich und meine Mannschaftskameraden haben nicht Taktiken oder ausgeklügelte Spielzüge geprägt, sondern seine soziale Kompetenz. Oder anders ausgedrückt: der uns entgegengebrachte Respekt.

Wie hätten wir Nachwuschssportler unsererseits diesen Trainer nicht respektieren können? Natürlich haben wir ein ums andere Mal versucht, unsere „Kompetenzen“ zu überschreiten. Und auch dieser Versuch wurde uns mit Respekt und entprechenden Trainingsinhalten quittiert. Wir mussten dafür zahlen (und sind danach auf Knien vom Eis gerutscht).

Keiner seiner Spieler hatte Angst davor, Fehler zu machen. Aber jeder einzelne Spieler hatte Angst davor, nichts (oder zu wenig) aus diesen Fehlern zu lernen.

Heute weiß ich, dass dieser Trainer mehr aus seinen „Kindern“ gemacht hat als nur bessere Sportler. Er hat uns nicht nur das Können mit auf den Weg gegeben, Wettkämpfe zu gewinnen. Er hat uns vor allem die Fähigkeit gelehrt, Niederlagen zu akzeptieren.

Ich weiß, dass auch er sich nie daran gewöhnt hat zu verlieren. Aber sein Wissen, dass er und seine Spieler alles dafür getan haben, um diese Niederlage zu verhindern, war ihm genug. Denn sein Respekt galt auch dem (besseren) Gegner.

Ich bin der festen Überzeugung, dass junge Athleten aus sich heraus immer gewinnen wollen. Dieser innere Antrieb, diese Motivation muss nicht gefördert werden. Neben der Fähigkeit eines Trainers, diese Kraft in entsprechende Ergebnisse zu verwandeln, gehört es auch zu seinen Aufgaben, die Reaktion auf eine Niederlage zu lenken. Und was wäre besser geeignet, als eine solche Reaktion vorzuleben?

Welch ein Glück (für mich), dass ich einem solchen großen Menschen (und Trainer) schon im Kindesalter begegnen durfte.

Ans Verlieren werde auch ich mich nie gewöhnen. Aber eine Niederlage zu akzeptieren und als Verpflichtung zu verstehen, sich weiter zu verbessern, sdas passt. Für diese „Nachwuchsarbeit“ bin ich diesem Menschen dankbar.

Meine Webseite: www.blog.fitteo.de


Ursula Jehle (Stähli)

Ursula_Jehle-StaehliTrainerin A Leichtathletik, OB und LLZ, mehrfache Schweizermeisterin und 
-rekordhalterin Kugelstossen, EM- und WM-Teilnehmerin, Therapeutin TCM und Physio, Mentalcoach

Ein guter Nachwuchstrainer sollte das Potenzial eines Athleten erkennen und es fördern – und dann sollte er den Athleten auch wieder loslassen können und ihn weitergeben z.B. an einen Leistungssport-Trainer.

Dazu braucht er ein gutes Fachwissen muss authentisch und kompetent sein, er muss ein Vorbild sein. Er erschafft die motorischen und konditionellen Voraussetzungen mit Vielseitigkeit und Variabilität im Training und fördert das Wettkampfverhalten.

Er beachtet die Belastungsfähigkeit und fördert die Persönlichkeit des Athleten.
Ein guter Nachwuchstrainer sollte die Jugendlichen begeistern und motivieren können, dazu muss er Freude haben, mit jungen Athleten zu arbeiten, sie zu fördern, sie zu unterstützen und weiterzuentwickeln.

Meine Webseite: www.synamed.ch


 Doris Schweizer

Doris SchweizerDreifache Schweizermeisterin, WM Bronze Mannschafts-Zeitfahren, Radsport Strasse

Für mich stehen bei einem guten Nachwuchstrainer vor allem die persönlichen Eigenschaften im Vordergrund. Das Vermitteln von Freude und Passion am Sport erachte ich als die zentrale Fähigkeit. Denn darum sollte es in diesen Kategorien gehen. Natürlich will man talentierte Sportler früh fördern, doch wie wir alle wissen, hat so mancher Juniorenweltmeister den Durchbruch in die Elitekategorie nie geschafft.

Genau das ist meiner Meinung nach die Aufgabe eines Nachwuchstrainers: einen Nachwuchsathleten auf diesen Übertritt vorzubereiten und ihn an diesem Punkt ziehen lassen. Loslassen ist also auch eine wichtige Eigenschaft.

Ein Nachwuchstrainer ist aber auch eine wichtige Bezugsperson, gerade während der Pubertät. Deshalb sollte ein guter Trainer auch viel Verständnis, Geduld und Flexibilität mitbringen. Oft geht es nämlich nicht darum, einen Trainingsplan zu schreiben, sondern vielmehr darum, die Balance zwischen Training, Ausbildung, Freizeit und Erholung zu finden.

Jeder Athlet ist anders und darum ist kein 08/15-Plan gefordert, sondern Kreativität und Einfühlungsvermögen. Druck sollte zu keinem Zeitpunkt ausgeübt werden, denn ein Nachwuchssportler sollte nie das Gefühl bekommen, etwas zu müssen, sondern immer zu wollen. Es sollte nicht in erster Linie um Siege gehen, sondern um den gemeinsamen Spass, den Teamgeist und Fairplay. Dies sollte ein guter Trainer leben und leben lassen in seiner Gruppe.

Natürlich muss ein guter Nachwuchstrainer auch über die entsprechende fachliche Kompetenz verfügen, denn gerade junge Athleten sind neugierig und wissbegierig. Kompetenz ist die Grundvoraussetzung für Vertrauen und der Grundstein jeder erfolgreichen Zusammenarbeit. Zusammenarbeit ist für mich ebenfalls eine zentrale Eigenschaft.

Ein Nachwuchstrainer sollte dem Athleten Schritt für Schritt Eigenverantwortung übertragen und ihm Freiheiten lassen. Damit sollte der Sportler während der Nachwuchskategorien idealerweise zum Athleten gewachsen sein und bereit, in der Elitekategorie zu bestehen.

Meine Webseite: www.dorisschweizer.ch


Friedrich Dähler

Friedrich_DaehlerWM- und EM-Teilnehmer Mountainbike, 24h-Höhenmeter-Weltrekordhalter

Es war wirklich Zufall, dass mir in den letzten Tagen das Buch „Leiden im Licht“ von Ariella Käslin in die Hände fiel. Es zeichnet ein düsteres und hässliches Bild von einem Nachwuchstrainer. Ob Erfolge in Sportarten, die bereits als Kind und Jugendliche auf höchstem Niveau betrieben werden müssen, nur so möglich sind, kann ich nicht beantworten.

Blicke ich auf mein eigenes Sportlerleben zurück, so war ich bereits als Kind sehr bewegungshungrig und probierte die verschiedensten Sportarten aus. Im Alter von 12 entdeckte ich dann den Radsport, welcher mich bis heute fasziniert.

Damals war es vor allem das ganz neue Lebensgefühl von Freiheit. Mit dem Rennvelo und Mountainbike konnte ich die Region und bald einmal schon die Schweiz alleine entdecken. Trainingspläne und Pulsuhren kannte ich nur vom Hörensagen, ich machte es einfach aus meiner innersten Freude. Trotzdem wollte ich mich natürlich mit den restlichen Schweizer Nachwuchsbikern messen und mich immer weiter verbessern. Meine Vorbilder waren die Elitefahrer, ich wollte einmal einer von ihnen werden und das Tragen des Schweizer Nationaltrikots an einer Weltmeisterschaft war mein ganz grosses Ziel.

Schaue ich heute zurück, bin ich froh, dass ich erst spät als Elitefahrer in ein strukturiertes Trainingskader kam. Ich brauchte sehr viele Freiheiten und das Vertrauen meines Trainers in mich und unser System, dass ich Erfolg haben konnte. Mit Sicherheit kann ich sagen, dass ein enges und nur auf den Erfolg aufgebautes Trainingssystem mich in den Jugendjahren vom Sport distanziert hätte.

Deshalb möchte ich auch keine allgemeingültige Antwort geben. Die Förderung von Jugendlichen hängt sehr vom Individuum und der jeweiligen Sportart ab. Ein guter Trainer verfügt neben hohem Fachwissen über viel Einfühlungsvermögen, Verständnis und ist sich der grossen Verantwortung gegenüber den jungen SportlerInnen bewusst.

Das Wort des Trainers zählt in diesem Alter oft mehr als das der Eltern. Auf dem Weg vom Kind zum jungen Erwachsenen unterliegt der Körper grossen Veränderungen, die auch auf die sportlichen Leistungsfähigkeit Einfluss haben. Gerade in Ausdauersportarten wird die beste Zeit sowieso erst mit gegen 30 erreicht. Da ist das Wecken der Freude und Leidenschaft für den Sport wichtiger, denn ohne diese sind auch Spitzenleistungen unmöglich.

Druck und Erwartungshaltung von aussen sind mit Sicherheit kontraproduktiv. Der Wille und die Motivation, es einmal ganz an die Spitze zu schaffen, muss sowieso vom Athleten kommen.

In der Recherche zu meiner Masterarbeit zum Berufsschulsport in der Schweiz stiess ich auf folgendes Zitat aus dem Schullehrplan, welches sich jeder Trainer zu Herzen nehmen sollte: „Der Turn- und Sportunterricht soll die Freude an Bewegung und sportlicher Leistung wecken und erhalten“.

Meine Webseite: www.friedrichdaehler.jimdo.com


Linda Indergand

Indergand_LindaMountainbikerin, Weltmeisterin 2015 Eliminator, WM-Bronzemedaillengewinnerin 2014 U23, Weltmeisterin 2011 Juniorinnen, Europameisterin 2010 Juniorinnen

Zu den wichtigsten persönlichen Eigenschaften zählt für mich die eigene Begeisterung am Sport. Nur wenn man selbst von etwas überzeugt ist, kann man den Spass an der Sache auch richtig überbringen. Besonders bei Outdoor-Sportarten sollte man gerade bei schwierigen Witterungsbedingungen (schlechtes Wetter gibt es ja bekanntlich gar nicht) auch den Spass und gute Laune behalten.

Als Trainer hat man eine grosse Verantwortung, deshalb ist die Förderung der jungen Talente besonders wichtig – wobei man gleichzeitig beachten muss, dass es eben nicht zu einer Überforderung wird. Ein guter Nachwuchstrainer kennt seine Athleten sehr gut und weiss genau, wie und vor allem wann er die Sportler unterstützen kann/muss. Er bringt den jungen Athleten das ABC auf eine spielerische Weise bei und hat immer aufmunternde Worte bereit, wenn etwas nicht so klappen will. Er motiviert die Athleten stets, auch neue oder schwierige Sachen auszuprobieren.

In meinen Augen gehört aber auch manchmal ein strenger Umgangston dazu. Man sollte durchaus Grenzen setzen und zeigen, dass ein unpassendes Verhalten auch Konsequenzen haben kann.

Ich finde es wichtig, dass man ab und zu die jungen Athleten beim Training mitbestimmen lässt und so auch den Austausch untereinander fördert. Als Trainer muss man jeden gleich behandeln und stets neutral sein.

Fachliche Eigenschaften sind gerade beim Mountainbike sehr vielseitig gefragt. Neben den taktischen Kenntnissen, die es während eines Rennens braucht, sollte ein Nachwuchstrainer stets in der Lage sein, kleine technische Pannen (z. B. Plattfuss) zu beheben.

Er sollte die genauen Abläufe kennen, wie man beispielsweise das Vorderrad in die Luft hebt oder ein Hindernis überquert. Idealerweise kann er die Übungen selbst vorzeigen und kommentieren. Wenn dies nicht der Fall ist, braucht es gute Erklärungen. Ein guter Trainer sollte bei jeder schwierigen Passage die beste Linie erkennen und Tipps geben. Allenfalls sind auch Hilfestellungen sinnvoll, wenn es der Athlet wünscht.

Meine Webseite: www.lindaindergand.ch


Flavio Zberg

Flavio_ZbergNationaltrainer 400 m/400 m Hürden, Swiss Athletics/Cheftrainer Sprint, LC Zürich

Ich bin der Meinung, dass die Fähigkeiten eines Nachwuchstrainers im fachlichen Bereich nicht anders sein sollten als die eines Trainers, der im aktiven Bereich tätig ist.

Der Nachwuchstrainer muss verstehen, welche Technikbilder, physischen Kompetenten oder auch körperlichen Voraussetzungen später gefragt sind. Nur so kann er auch sinnvoll und nachhaltig eine langfristige Karriere aufbauen und die richtigen Talente auswählen. Hinter jedem/jeder erfolgreichen Athleten/in steht eine Anzahl hervorragender Trainer, die auf diese Weise langfristig gedacht und Aufbauarbeit durchgeführt haben.

Die persönlichen Fähigkeiten eines Nachwuchstrainers sollten in gewissen Bereichen noch ausgeprägter sein. Ich denke an Menschenkenntnis, Motivationsfähigkeiten oder auch an das Vermitteln von Werten und diese entsprechend vorzuleben. Ich bin klar der Meinung, dass man mit Willen, Ehrgeiz sowie mit einem klaren Ziel viel erreichen kann.

Der Nachwuchsleistungssport sollte nicht als Ausbildungsstätte dienen für neue Trainer, dort sollten erfahrene und ausgebildete Trainer tätig sein. Die so wichtige Tätigkeit im Nachwuchsleistungssport verdient in der Schweiz noch mehr Wertschätzung.


Angelica Moser

Angelica_Moser (1)Stabhochspringerin, Jugend-Olympiasiegerin 2014, Jugend-Europameisterin 2015, mehrfache Junioren-Schweizermeisterin und -rekordhalterin Stab U14 bis U20

Eigentlich muss ein Nachwuchstrainer etwa die gleichen Eigenschaften haben wie ein Elitetrainer. Schliesslich werden im Nachwuchsbereich die Grundlagen für eine spätere erfolgreiche Sportlerkarriere gelegt. Alles, was hier falsch gemacht wird, wirkt sich später negativ aus. Auch lernt man gewisse Dinge als Erwachsener kaum mehr. Umgekehrt kann ein Spitzenathlet noch lange von einer guten Ausbildung im Nachwuchsbereich profitieren.

Was in meinen Augen ganz wichtig ist, ist die langfristige Perspektive. Der Nachwuchstrainer muss immer von langfristigen Zielsetzungen ausgehen, die gesamte Sportlerkarriere und auch die Gesundheit im Auge haben. Deshalb sollte er auch im Bereich der Prävention gut ausgebildet sein.

Das Nachwuchstraining sollte vielseitig sein. Einem Nachwuchsathleten wird ein spezialisiertes, einseitiges Training schnell langweilig. Auch wirkt sich ein vielseitiges Training sicherlich positiv auf die spätere Leistungsfähigkeit aus. Entsprechend muss der Nachwuchstrainer auch eine vielseitige Ausbildung haben und nicht nur ein Fachmann auf einem kleinen Gebiet sein. Wenn er immer wieder neue Ideen hat und nicht nur einige wenige Übungen immer wiederholt, ist das Training viel abwechslungsreicher.

Und schliesslich ist es auch wichtig, dass der Nachwuchstrainer persönliche Eigenschaften hat, die motivierend wirken. Das Training soll Spass machen und dazu kann der Trainer einen grossen Teil beitragen!

Meine Webseite: www.angelica-moser.ch


Ich bin beeindruckt! Ganz herzlichen Dank an die Experten, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mir zu antworten!

Die verschiedenen Statements zeigen etwas sehr deutlich: Ein Nachwuchstrainer muss eine herausragende Persönlichkeit sein, die ihren Sport mit Haut und Haaren lebt. Er braucht ein gutes Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, einen Athleten langfristig aufzubauen und zu fördern.

D. h., er verzichtet zugunsten einer langfristigen und individuellen Entwicklung eines Nachwuchsathleten auf den kurzfristigen Erfolg.

Leider passiert es immer wieder, dass junge Athleten wegen unerfüllten Träumen oder einem falschen Ehrgeiz von Bezugspersonen verheizt werden. Diese sind dann für immer verloren.

Nachwuchstrainer sind nicht nur Experten, wenn es um Trainingsplanung und technische Aspekte geht, sie zeichnen sich auch durch gute Materialkenntnisse in ihrer Sportart aus.

Kurz gesagt: Ein Nachwuchstrainer ist eine „eierlegende Wollmilchsau“, die jungen Athleten den Spass am Sport vermittelt, erkennt, wie sie gefordert und gefördert werden müssen, und sie lehrt, mit Siegen und Niederlagen umzugehen.

In der Nachwuchsarbeit wird das Fundament für eine Sportkarriere gelegt.

Darum gehören die besten Trainer in den Nachwuchs!

„Do what needs to be done, when it needs to be done the best way it can be done, and do it that way every time.“ – Bob Knight“

Nachwuchstrainer verdienen grossen Respekt. Ich hoffe, dass dieser Artikel dazu beitragen wird, dass ihre verantwortungsvolle und zukunftsgerichtete Arbeit als das wahrgenommen wird, was sie ist.

Herausragend!

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.
PPS: Und wenn du die Arbeit deines Trainers wertschätzt, geht es noch einfacher.