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„Ich liebe den Kampf Mann gegen Mann!“

Wenn Luca im Gerangel fighten und sich durchsetzen kann, ist er in seinem Element. Dann fühlt er sich stolz und überlegen. Das ist auch seinem Trainer nicht entgangen. Das Machtmotiv ist das dominierende unbewusste Motiv von Luca.

Das ist nicht in jeder Situation ein Segen.

Luca setzt sich gerne durch und er möchte seinen Einfluss geltend machen. Weil sein Trainer ähnlich tickt, kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Vor allem dann, wenn beide mit dem Kopf durch die Wand wollen. 😉

Manchmal provoziert Luca bewusst vor der versammelten Mannschaft, um damit seine „Macht“ zu demonstrieren. Sein Trainer findet das nicht so erquickend.

Hast du Athleten in deinem Team, die sich gerne selbst darstellen, den Kampf Mann gegen Mann zelebrieren und dich als Trainer immer wieder einmal in Frage stellen?

Durchsetzen, beeinflussen, führen

In unseren Breitengraden sind die Assoziationen zu Macht eher negativ geprägt. Power, das englische Wort für Macht, gefällt mir persönlich besser. Es löst auch etwas ganz anderes aus. Schau dir doch das Machtmotiv unter diesem Aspekt an.

Machtmotivierte Athleten wollen sich durchsetzen, beeinflussen und führen.

Das kann einerseits sehr wohlwollend sein. Teamleader haben die Fähigkeit, ihre Teamkollegen zu begeistern und mitzureissen. Andererseits kann das Machtmotiv auch konflikthaft gelebt werden. Der Konflikt und der Kampf mit dem Gegner können bei einem machtmotivierten Athleten viel Energie freisetzen. Das hilft ihm, sich gegen diesen durchzusetzen.

Nicht nur bei Interaktionssportarten wie zum Beispiel Tennis oder Fechten ist das Machtmotiv hilfreich. Taktisches Geplänkel und das Beeinflussen des Gegners finden auch in anderen Sportarten ihren Platz. Im Hochsprung oder im Stabhochsprung finden „Machtspiele“ durch einen späten Einstieg oder das Auslassen einer Höhe statt.

Kraftquelle Machtmotiv

Luca kann es nicht verleugnen, dass das Machtmotiv sein dominierendes unbewusstes Motiv ist. Der Kampf Mann gegen Mann liegt ihm besonders und er übernimmt auch gerne Verantwortung. Obwohl er selber noch jung ist, steht er den Nachwuchsfahrern im Verein gerne mit Rat und Tat zur Seite. Warum das so ist, kann er nicht erklären. Er macht es einfach so.

Den Wettkampf zu kontrollieren und sich gegen andere durchzusetzen, mach Luca stolz und gibt ein Gefühl von Stärke und Überlegenheit. Am wohlsten fühlt er sich in der nicht olympischen Eliminator-Disziplin. Da kann er sich richtig ausleben. Bei ihm entsteht der Eindruck, dass er immer dann zulegen kann, wenn er in einem Duell gefordert wird. Dann wird sein Kampfgeist geweckt und er kann den letzten Tropfen Energie freisetzen.

Seine Teamkollegen bewundern ihn dafür, dass er sich so gut „quälen“ kann. Dort, wo andere schon aufgeben, setzt er noch eins obendrauf. Das funktioniert dann besonders gut, wenn er unter Beobachtung ist und sich profilieren kann.

Wie seine beziehungsmotivierte Schwester Laura braucht auch er Menschen um sich herum. Jedoch aus einem anderen Grund. Seine Motivation nimmt zu, wenn er Verantwortung übernehmen, sich in einen Zweikampf reinhängen kann oder von den Zuschauern bewundert wird.

Wenn er nicht gerade im Wettkampfmodus alles plattfährt, gibt er sein Wissen gerne an jüngere Biker weiter. Ab und an führt er Nachwuchstrainings, was ihm ein gutes Gefühl und Befriedigung gibt.

Das Machtmotiv gibt Luca die Kraft, seine eigenen Vorstellungen und Interessen zu verfolgen und sich gegen seine Gegner durchzusetzen.

Das ist Luca

  • kämpferisch
  • konkurrenzbetont
  • durchsetzungsstark
  • dominant
  • diszipliniert
  • motivierend
  • integrativ
  • begeisternd
  • umsichtig

Das motiviert Luca

  • Verantwortung und Führung
  • Kontrolle zu haben
  • andere anzuleiten
  • der Kampf Mann gegen Mann
  • Machtspiele
  • Grenzen auszuloten
  • Anerkennung und Status
  • selber gestalten zu können
  • Einfluss zu nehmen

Das blockiert Luca

  • sich unterordnen zu müssen
  • mangelnde Anerkennung
  • mangelnde Autonomie
  • mangelndes Mitspracherecht
  • keinen Einfluss zu haben
  • fehlende Konkurrenz
  • Kritik an der eigenen Person
  • Hilf- und Hoffnungslosigkeit

Aussagen verraten das Motiv

Gib jemandem Macht, und du erkennst seinen Charakter. – Chinesisches Sprichwort

Auch beim Machtmotiv bekommst du von deinen Athleten Hinweise, wie sie ticken.

Typische Aussagen von Luca:

  • „Ich gehe an Wettkämpfe, weil ich dort Aufmerksamkeit und Anerkennung bekomme.“
    Status und Anerkennung sind für machtmotivierte Athleten wichtige Motivationsquellen. Bei Luca ist das nicht anders. Er geniesst die Aufmerksamkeit im Team und von aussen.
  • „Ich mag den Trainer nicht, weil ich meine Meinung nie äussern darf.“
    Machtmotivierte Athleten wollen sagen, was sie denken, und mitbestimmen. Können sie das nicht, kann sich das negativ auf ihre Leistung auswirken.
  • „Ich liebe die Eliminator-Disziplin (Ausscheidungsrennen), weil ich mich dort gegen die anderen durchsetzen kann.“
    Für einen machtmotivierten Athleten gibt es nebst der Führung nichts Schöneres als den Kampf Mann gegen Mann. Das setzt Energie frei und beflügelt.
  • „Ich helfe gerne bei den Nachwuchstrainings mit.“
    Ja, auch Helfen wird dem Machtmotiv zugeschrieben, weil du dich damit „über jemanden stellst“ und damit als Überlegener Einfluss und Führung übernimmst.

Schnellster oder Erster?

Ein leistungsmotivierter Athlet misst sich an einem Gütemassstab wie zum Beispiel der zu laufenden Zeit oder der zu erreichenden Punktzahl. Er will als Schnellster im Ziel sein.

Dem machtmotivierten Athleten ist das egal. Er muss nicht als Schnellster, sondern als ERSTER im Ziel sein.

Den Unterschied zwischen Leistungs- und Machtmotiv bringen die beiden Ironmanweltmeister von 2015 (und Challenge-Roth Sieger 2016), Daniela Ryf und Jan Frodeno, mit ihren Aussagen sehr treffend auf den Punkt.

Daniela Ryf holt sich ihre Energie offensichtlich aus dem Leistungsmotiv. Sie will immer als Schnellste im Ziel sein und ihre Leistung in jeder Situation optimieren. Das wird in diversen Interviews und in einer Reaktion auf einen Twitter-Post (11.7.2016) von Chrissie Wellington (hält den Ironman-Weltrekord) mehr als deutlich.

DanielaRyf

Ihr Ziel und auch ihr Verhalten sind ganz klar leistungsmotiviert, das braucht keine weitere Erklärung. Oder doch? Nächste Woche nehmen wir das Leistungsmotiv genauer unter die Lupe.

Im Gegensatz dazu zieht Jan Frodeno seine Energie aus dem Machtmotiv. In einem Interview für den Tages-Anzeiger machte er vor dem Showdown 2016 auf Big Island folgende Aussage:

„Wenn ich die Spitzengruppe überhole, fahre ich natürlich schneller als davor. Mein Wattmessgerät würde mir sagen, ich solle das nicht tun. Aber du hinterlässt so einen gewissen Eindruck, der sagt den anderen, dass sie «scheisse» sind. Das stimmt zwar nicht, aber der Zweifel ist damit in ihren Köpfen gesät. Ich will als Erster im Ziel sein – und nicht der mit der schnellsten Zeit (grinst breit).“

Viel schöner kann ein Athlet mit einem stark ausgeprägten Machtmotiv eine machtmotivierte Aussage nicht zum Besten geben.

Kraftquellen ansprechen

Unbewusste Motive sind die persönlichen Kraftquellen deiner Athleten. Nur diese verleihen ihrem Handeln über lange Zeit Kraft und Energie.

Unbewusste Motive sind Erfahrungsnetzwerke, die dein Verhalten aufgrund deiner persönlichen Erfahrungen steuern.

Machtmotivierte Athleten übernehmen gerne Verantwortung, wollen beeinflussen und sich durchsetzen.

Als Trainer kannst du deine Athleten motivieren, indem du ihnen Verantwortung gibst und sie mitbestimmen lässt. In welchem Rahmen das in deinem Trainingsalltag möglich ist, weisst du besser als ich.

Die Verantwortung können sie beispielsweise als Teamleader, als Mentor für jüngere Athleten und auch für sich selber übernehmen.

Bestätigen kannst du sie, indem du ihnen Wertschätzung zu ihrer erreichten Position oder dem Erfolg entgegnenbringst, z.B.: „Ich brauche deinen Rat. Deine Meinung zur aktuellen Situation im Team ist mir sehr wichtig.“

Das Lächeln wird gleich nach der Frage im Gesicht aufblitzen. Du bekommst auch einen wertvollen Input.

Wenn du ihnen die Möglichkeit gibst, sich auch im Training zu „duellieren“, wächst der eine oder andere über sich hinaus. Mit einer Ansprache wie „Mach ihn platt“ kannst du bei einem machtmotivierten Athleten Energie freisetzen.

Machtmotivierte Athleten laufen im Kampf Mann gegen Mann zur Höchstform auf.

Fazit

Im Kampf Mann gegen Mann blühen machtmotivierte Athleten auf. Sie brauchen Anerkennung, stehen gerne im Rampenlicht und sie übernehmen gerne Verantwortung.

Sich gegen andere durchzusetzen, verleiht ihnen einen besonderen Kick. Achte doch einmal darauf, was in Wettkämpfen mit engem Ausgang passiert. Machtmotivierte Athleten können in dieser Situation Energie freisetzen. Das geschieht unbewusst. Das unbewusste Machtmotiv verleiht ihnen dazu die Kraft und Energie.

Sie haben Spass dabei, sich durchzusetzen, und sie geniessen es, im Rampenlicht zu stehen.

Bestätige deine machtmotivierten Athleten und gib ihnen auch im Training die Möglichkeit, ihr Motiv auszuleben. Der interne Konkurrenzkampf aktiviert das Machtmotiv. Gib ihnen Verantwortung, steck das Spielfeld klar ab und vermeide Machtkämpfe.

Achte doch einmal darauf, wie sich deine machtmotivierten Athleten äussern und wo sie sich durch Machtspiele positionieren.

Wie forderst du deine machtmotivierten Athleten?

Nutzte deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass jeder seine unbewussten Motive kennen sollte.