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„Mich interessiert es nicht, ob ich gewinne. Wenn ich einen perfekten Wettkampf abliefere, habe ich mein Ziel erreicht. Dann stimmt auch das Ergebnis.“

Das Streben nach Perfektion ist im Leistungssport weit verbreitet. Auch bei Valentin. Nach einer perfekten Leistung zuoberst auf dem Podest zu stehen, macht Valentin besonders glücklich. Denn er hat einen sehr hohen Anspruch an sich selbst. Sein Perfektionismus, der aus seinem unbewussten Leistungsmotiv hervorgeht, hat ihm auch schon das Genick gebrochen.

Wie ist das bei deinen Athleten? Hast du Athleten, die sich durch einen (zu) hohen Anspruch an sich selber blockieren und ihre Leistung am Tag X nicht immer abrufen können?

Wenn es um sportliche Höchstleistung geht, dann wird sehr schnell vom Leistungsmotiv gesprochen. Bei Talent-Tests wird es bewusst abgefragt und gilt oft als Massstab für die zukünftige Leistungsfähigkeit. Das bewusste Leistungsmotiv wird meistens sehr offensichtlich und transparent abgefragt. Die Athleten wissen sehr gut, wie sie antworten müssen, damit sie gut dastehen. Ob das Sinn macht? Ich bezweifle es.

Es sind die unbewussten Motive, die Athleten über lange Zeit Kraft und Energie geben.

Für Höchstleistungen spielt auch das unbewusste Leistungsmotiv eine Rolle. Dieses motiviert den Athleten, sich stetig zu verbessern und sich an einem Gütemassstab zu orientieren.

Valentin ist in dieser Beziehung genauso gestrickt wie die Ironqueen Daniela Ryf oder die Slalomweltmeisterin Mikaela Shiffrin. Beide streben nach dem perfekten Wettkampf und wollen das Maximum ihrer Möglichkeiten ausreizen.

Optimieren bis zum Gehtnichtmehr

Valentin will in erster Linie seine Leistung optimieren und den perfekten Wettkampf abliefern.

Er hat für jedes Training ein klares Ziel und weiss genau, was er erreichen und verbessern möchte. Technische Übungen wiederholt er, bis sie sitzen. Intervallserien zieht er immer bis zum Ende durch. Abkürzungen gibt es bei ihm nicht.

Da er sich so auf sein Ziel fokussiert, geht bei ihm manchmal das Gefühl für sich selber und seinen Körper verloren. Es gibt Situationen, in denen weniger manchmal mehr ist – z. B. wenn er technische Übungen wegen seiner Müdigkeit nicht mehr korrekt ausführt.

Weil sein Fokus so sehr auf der Sachebene ist, tritt seine Befindlichkeit manchmal in den Hintergrund.

In diesen Situationen muss er von seinem Trainer gestoppt werden. Valentin macht das Mühe und er hat hinterher immer ein schlechtes Gewissen. Schliesslich hat er sein Training nicht voll durchgezogen.

Valentin hat Spass an der perfekten Leistung und wenn er sein Metier beherrscht.

In technischen Sportarten wie Kunstturnen, in technischen Disziplinen der Leichtathletik, Golf oder Tennis braucht es ein gut ausgeprägtes unbewusstes Leistungsmotiv. Dieses liefert leistungsmotivierten Athleten die Energie, ihre Sportart perfekt auszuüben und sich laufend zu verbessern.

Ein gutes Beispiel für einen leistungsmotivierten Athleten ist Roger Federer. Er optimiert fast nonstop und hat sich über die Jahre ein unglaubliches Schlagrepertoire angeeignet. Letztes Jahr führte er im Herbst seiner Karriere den umstrittenen SABR (Sneak Attack By Roger) ein.

Leistungsmotivierte Athleten streben zu jeder Zeit nach Perfektion und geben sich mit dem Erreichten nie zufrieden. Stillstand ist für leistungsmotivierte Athleten Rückschritt. Auch für Roger Federer.

50/50

Leistungsmotivierte Athleten brauchen echte Herausforderungen.

Genau darin besteht die Herausforderung. Bei „Wurst und Brot“-Wettkämpfen ist der Ausgang oft schon von vornherein klar. „Warum soll ich mich da noch anstrengen?“, mag sich da manch ein leistungsmotivierter Athlet auf hohem Niveau denken 😉 Sie gehen dann mit einer zu laschen Einstellung in diese Wettkämpfe oder Spiele.

Und was passiert? Die Favoriten geben sich die Blösse und gehen sang- und klanglos gegen einen scheinbaren Underdog unter.

Das Leistungsmotiv wird nur dann aktiviert, wenn die Chance auf ein Gelingen/Misslingen 50/50 ist.

Zu leichte Aufgaben sind für leistungsmotivierte Athleten genauso demotivierend wie Aufgaben und Ziele, die sie sowieso nicht erreichen können.

Leistungsmotivierte Athleten sind Realisten! Für Träumereien gibt es bei ihnen keinen Platz. Sie wollen ausserordentliche Leistungen bringen und ihr Können zum Besten geben.

Kraftquelle Leistungsmotiv

Valentin ist ein Trainingstier mit einer leichten Tendenz zum Trainingsweltmeister.

Sein unbewusstes Leistungsmotiv gibt ihm die Kraft, sich laufend zu verbessern. Dabei geht es in erster Linie um ihn und sein Können. Er möchte wissen, zu welcher Leistung er im Stande ist und wie gut er seine Sportart ausüben kann. Andere spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Denn stark leistungsmotivierte Athleten sind selten Teamplayer. Sie wollen für sich das Maximum herausholen. Sportliche Beziehungen sind für sie Zweckgemeinschaften, die sie ihrem Ziel näher bringen.

Ich hatte als Langstreckenläufer wenig Schnelligkeit. Deshalb habe ich „Sprint-Trainings“ gerne mit Athleten gemacht, die Schnelligkeit in den Beinen hatten. Andererseits haben Athleten, die keine konstanten Rundenzeiten laufen konnten, gerne mit mir Ausdauertrainings absolviert.

Erfolge zeigen Valentin, dass sein Plan aufgeht und er diesen Weg weitergehen kann. Misserfolge schaut Valentin als Feedback für Optimierungsbedarf an. Diese motivieren ihn, sich weiter zu verbessern. Wenn er dann noch ein gutes Expertenfeedback bekommt, ist seine Welt in Ordnung.

Sein Perfektionismus und das Leistungsmotiv gehen Hand in Hand. Das ist Fluch und Segen zugleich. Perfektionismus ist für ihn dann leistungsfördernd, wenn er seine negativen Emotionen kontrollieren kann. Das gelingt ihm oft, aber nicht immer.

Valentin fühlt sich wohl als Perfektionist. Er weiss, dass ihn diese Eigenschaft vorwärtstreibt.

Das Leistungsmotiv gibt Valentin die Kraft, Neues zu lernen, seine Fähigkeiten zu verbessern und den perfekten Wettkampf abzuliefern.

Das ist Valentin

  • fleissig
  • hartnäckig
  • ausdauernd
  • sach- und aufgabenorientiert
  • detailverliebt
  • perfektionistisch
  • hoher Anspruch an sich selbst
  • ungeduldig mit sich selbst
  • selbstkritisch

Das motiviert Valentin

  • schwierige Aufgaben
  • herausfordernde Ziele
  • gute Leistungen
  • Eigenverantwortung
  • Flow erleben
  • eigene Fortschritte erkennen/erleben
  • Verbesserungen nach Misserfolgen
  • Realistisches Feedback zu seiner Leistung

Das blockiert Valentin

  • Überforderung
  • Unterforderung
  • langweilige Trainings
  • übermässige Selbstkritik
  • utopische Ziele/Träumereien
  • fehlendes Expertenfeedback (Trainer)
  • fehlender Massstab/Vergleichswerte
  • fehlende Ziele
  • „Wurst und Brot“-Wettkämpfe

Aussagen verraten das Motiv

„Ich messe den Erfolg nicht an meinen Siegen, sondern daran, ob ich jedes Jahr besser werde.‘‘ – Tiger Woods

Das ist auch das Credo von Valentin. Er möchte sich verbessern. Eine gute Platzierung kann ihn frustrieren, wenn er seinen Anforderungen nicht genügen konnte.

Typische Aussagen von Valentin:

  • „Ich gehe an Wettkämpfe, weil ich mich dort mit anderen messen kann.“
    Der eigenen Massstab und der Leistungsvergleich mit anderen sind für Valentin wichtige Gradmesser. Manchmal passt er seine Ziele nach Wettkämpfen an. In der Regel nach oben. 😉
  • „Ich mag den Trainer nicht, weil ich nicht verstehe, was er von mir verlangt.“
    Leistungsmotivierte Athleten wie Valentin werden gerne frustriert, wenn sie die Trainingsaufgabe oder den Sinn dahinter nicht verstehen. Sie haben dann Mühe, es an ihrem Ziel festzumachen.
  • „Ich habe keine Lust zum Training, weil es zu wenig fordert.“
    Athleten mit einem stark ausgeprägten Leistungsmotiv brauchen immer wieder echte Herausforderungen. Trainingsaufgaben, die diesen Anspruch nicht erfüllen, werden schnell als langweilig abgetan.
  • „Ich trainiere lieber allein, weil ich dann schneller ans Ziel komme.“
    Leistungsmotivierte Athleten trainieren lieber alleine als im Team. Dann können sie sich am besten auf sich und die Trainingsaufgabe fokussieren. Es sein denn, der Sparringspartner bringt sie ihrem Ziel einen Schritt näher. 😉

Kraftquellen ansprechen

Leistungsmotivierte Athleten wünschen sich, dass du ihre Leistung wertschätzt. Dabei ist ihnen vor allem das Lob (und auch die Kritik) von dir als Experten wichtig. Das gleiche Lob von Mutter oder Vater hat nicht die gleiche Wirkung. Weil sie von ihren Schützlingen nicht als Experten wahrgenommen werden.

Gib ihnen Aufgaben, die sie fordern. Aufgaben, an denen sie wachsen können und die sie als echte Herausforderung erfahren. Lass sie eine Pause machen, wenn sie lustlos im Training rumhängen. In der Pause sollen sie herausfinden, weshalb sie so lustlos sind. Oft kommen sie mit guten Lösungen zurück. Versuch’s mal.

Lass sie die Wettkampftaktik und/oder ihre Marschtabelle selber entwickeln. Bei jungen Athleten braucht das am Anfang noch ein wenig Hilfestellung. Doch das haben sie sehr schnell im Griff. Das reizt einen leistungsmotivierten Athleten.

Bei coachingintensiven Wettkämpfen brauchen leistungsmotivierte Athleten Informationen zum Wettkampfverlauf und ihrer Zeit.

Ich war in dieser Beziehung keine Ausnahme. Für mich waren die Rundenzeiten auf der Langstrecke immens wichtig. Auch wenn ich diese nicht immer bewusst wahrgenommen habe. Doch sie haben mein unbewusstes Leistungsmotiv aktiviert und Energie freigesetzt.

Du kannst deine leistungsmotivierten Athleten unterstützen, indem du etwa so auf sie zugehst:

„Ich habe eine Herausforderung für dich. Du bist genau der Richtige für diese Position/Aufgabe.“

„Entwickle deine eigene Taktik/Marschtabelle für den Wettkampf.
Mach dir klar, was du erreichen möchtest und ob dies realistisch ist, bevor du an den Start gehst. Wenn das Training keinen Spass macht, mache eine Pause und finde heraus, an was es liegt.“

Unbewusste Motive sind die persönlichen Kraftquellen deiner Athleten. Nur diese verleihen ihrem Handeln über lange Zeit Kraft und Energie.

Fazit

Leistungsmotivierte Athleten brauchen echte Herausforderungen. Wenn sie richtig gefordert sind, dann holen sie das Maximum aus sich heraus und können über sich hinauswachsen.

Neues zu lernen und ihre Fähigkeiten stets zu verbessern, sich mit anderen zu messen und neue, spannende Aufgaben zu meistern: Das weckt bei leistungsmotivierten Athleten Neugier, Spass und Begeisterung.

Wenn die Fähigkeiten und die Anforderung perfekt zusammenpassen, dann können leistungsmotivierte Athleten nicht mehr gebremst werden. Weil sie im Flow sind! Das ist das höchste aller Gefühle.

Fördere und fordere deine Athleten, damit sie das Maximum aus sich herausholen können.

Hast du Perfektionisten unter deinen Sportlern? Wie forderst du sie?

Nutzte deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass jeder seine unbewussten Motive kennen sollte.

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