Der innere Schweinehund hier, der innere Schweinehund da. Wenn etwas nicht funktioniert oder du keine Lust hast, dann muss der innere Schweinehund immer den Kopf hinhalten. Ich kann diese Ausreden und dieses Gejammer nicht mehr hören.

Hauptsache, ein anderer ist schuld!

Ich lese immer wieder Tipps, dass du diesem „Viech, dessen Namen man nicht nennen sollte“ nur einen niedlichen Namen geben musst, dann sind die Probleme gelöst. Wirklich? Bist du damit schon erfolgreich gewesen?

Irgendetwas an diesem Konzept hat einen Haken.

Ziemlich sicher mache ich mir mit diesem Artikel wenig, um nicht zu sagen keine Freunde. Doch das Risiko gehe ich gerne ein, wenn es dich weiterbringt.

Ich weiss, es ist sehr einfach und bequem, einem Übel eine Gestalt und einen Namen zu geben. Dann bist du nicht mehr selbst dafür verantwortlich. Nur ist das keine Lösung, die dir langfristig hilft.

Vor allem, weil du etwas nährst, das es gar nicht gibt.

Und was noch viel schlimmer ist: Du degradierst deine wichtigste und mächtigste Ressource. Dein Unbewusstes.

Möchtest du nicht lieber selbstwirksam sein und deine unbewussten Kraftquellen nutzen?

Wenn du diese Frage mit Ja beantwortest, dann solltest du jetzt weiterlesen.

Der innere Schweinehund ist schuld 😉

Du hast wieder einmal keine Lust zum Training. Anstelle vom harten Intervalltraining wäre ein gemütlicher Kaffeeklatsch und ein gemütlicher Besuch der Herbstmesse mit deinen Freundinnen die weitaus bessere Variante. Warum nicht einmal Training Training sein lassen?

Gedacht, getan. Du erscheinst für einmal nicht im Training und geniesst den Nachmittag mit deinen Freundinnen. Ihr lacht, habt Spass, schlendert über die Herbstmesse und du stopfst dir den Magen mit Süssigkeiten und sonstigem Junk voll.

Weil es gerade so schön ist, verlängert ihr den Abend bis spät in die Nacht.

Am nächsten Morgen bist du immer noch platt und angezählt. Ein schlechtes Gewissen macht sich breit. Wer muss jetzt den Kopf hinhalten? Klar doch …

Dein innerer Schweinehund hat dich dazu getrieben, dass du das Training ausgelassen, Süssigkeiten und Junk gefuttert, ein wenig über den Durst getrunken und die Nacht zum Tag gemacht hast. Richtig?

Dazu fällt mir nur eines ein: Unsinn!

Stell dir vor, du sagst jemandem: „Mein innerer Schweinehund hat mich dazu getrieben, zu viel zu fressen, zu wenig zu schlafen und zu viel zu trinken.“ Denkst du, das wird dir jemand abkaufen?

Würde es etwas an deiner Situation ändern, wenn du sagst: Fifi, Günther – oder wie du „das Viech, dessen Namen man nicht nennen sollte“ auch immer nennst – hat mich dazu getrieben, das Training auszulassen, zu viel zu …? Nicht wirklich.

Du gibst einfach einem anderen die Schuld.

Dieses Konzept funktioniert definitiv nicht.

Du fragst dich gerade, was denn dazu führt, wenn es nicht der innere Schweinehund ist? Den es zum Glück nicht gibt.

Sorry, diese Ausrede zählt ab jetzt nicht mehr. 😉

Der Konflikt mit den Freundinnen

Dein Konflikt „Intervalltraining oder Freundinnen treffen“ entsteht aus einer einfachen Logik. Verstand und Unbewusstes haben unterschiedliche Bedürfnisse und stehen deshalb im Konflikt.

Die beiden Systeme arbeiten auf unterschiedliche Art und Weise.

Der Verstand denkt logisch und er kann in die Zukunft denken.

Im Gegensatz dazu lebt das Unbewusste im Hier und Jetzt und hat nur ein Ziel: psychisches Wohlbefinden.

Alles, was du erlebst, wird in deinem Unterbewusstsein mit einer Bewertung gespeichert. Positives im Belohnungssystem, Negatives im Angstsystem.

Wenn du nun in eine Situation kommst, die mit einer negativen Bewertung verbunden ist, möchte dich das Unbewusste davor bewahren und dein psychisches Wohlbefinden sichern.

Darum vermeidest du Situationen, die für dich schlecht und „schmerzhaft“ sind.

Das Unbewusste will also nur Gutes für dich.

Verstehst du jetzt, warum es äusserst unklug ist, diese wertvolle Ressource und wertvollen Erfahrungsschatz als „inneren Schweinehund“ zu betiteln?

Bekämpfen musst du das Unbewusste nicht. Das ist sehr unklug. Diesen Kampf kannst du nur verlieren.

Clever bist du, wenn du das Unbewusste ins Boot holst.

Das Unbewusste muss ins Boot

Psychisches Wohlbefinden entsteht, wenn das Unbewusste im Boot ist. Also wenn der Verstand und das Unbewusste zum selben Ergebnis kommen und eine Situation gleich bewerten.

Hmm … Und was tust du, wenn das nicht der Fall ist?

Mit dem Verstand kannst du das Unbewusste zu etwas zwingen, das es gar nicht will, und an die Leine nehmen. Die Sportpsychologen nennen das Selbstkontrolle. Du kannst es beispielsweise zum Training disziplinieren und lustlos dein Intervalltraining abspulen.

Wirklich Spass macht das nicht.

Es gibt immer wieder Situationen, in denen du das Unbewusste an die Leine nehmen musst. Nicht jedes Training macht Spass. Ich musste mich meistens zu Sprinttrainings zwingen. Diese absolvierte ich ausschliesslich im Selbstkontrollmodus. Es erfüllte den Zweck. Nicht mehr und nicht weniger.

Langfristig bringt jedoch Selbstkontrolle keinen Erfolg und noch weniger Freude.

Selbstkontrolle ist eine suboptimale Form von Selbstmanagement.

Bei regelmässiger Anwendung verlierst du den Spass am Training oder deine Leistungskurve sinkt in den Keller und du wirst krank.

Viel besser ist es, den Konflikt zwischen Verstand und Unbewusstem zu lösen.

Dazu muss der Verstand mit dem Unbewussten kommunizieren und eine für beide Seiten gute Lösung finden. Bis eine gute Lösung gefunden ist, braucht es Zeit und oft mehrere Rückmeldeschlaufen. Wie im richtigen Leben.

So bekommst du das Unbewusste ins Boot

Beidseitige Zustimmung für die positive Zukunft

positive_zukunftIm aktuellen Beispiel „Intervalltraining“ ist die Bewertung durch deinen Verstand eindeutig. Das Intervalltraining ist wichtig, damit du bei den nächsten Wettkämpfen gut gerüstet bist, dich langfristig entwickelst und dich für den Kader empfehlen kannst.

Dein Unbewusstes sendet dir jedoch ganz andere Signale. Schon alleine der Gedanke an das „harte“ und „schmerzhafte“ Intervalltraining löst bei dir Bauchschmerzen aus. Psychisches Wohlbefinden ist das nicht.

Also brauchst du eine Strategie und ein Szenario, mit dem du dein Unbewusstes ins Boot holen kannst.

Male deinem Unbewussten ein schönes und positives Zukunftsbild. Du erinnerst dich. An jedem Wort hängt ein Bild und an jedem Bild hängt eine Emotion. Wenn das Bild und die Vorstellung für dich positiv und erstrebenswert sind, dann reagiert dein Unbewusstes mit einem positiven somatischen Marker (Körpergefühl).

Stell dir vor, wie du durch das Intervalltraining stärker und besser wirst. Im Wettkampf kannst du am Ende noch zulegen und deine Gegner überflügeln. Du spürst, wie du am Ende fliegst. Du schaust auf die Uhr, siehst eine neue Bestzeit oder die „1“ auf der Anzeigetafel leuchten. Und du empfiehlst dich mit dieser Leistung für den Kader.

Mit dieser Vorstellung wird auch bei dir ein positives Körpergefühl ausgelöst. Das ist für dein Unbewusstes erstrebenswert!

Damit hast du es im Boot. Weil Verstand und Unbewusstes die Situation identisch bewerten.

Einfach gesagt tauschst du den Moment und den kurzfristigen Spass gegen die langfristige Belohnung und das damit verbundene psychische Wohlbefinden ein.

Durch diese positive Aussicht wird deine Willenskraft gestärkt.

Beidseitige Ablehnung der negativen Konsequenzen

negative_konsequenzenDu geniesst den Nachmittag und die Gesellschaft deiner Freundinnen in vollen Zügen. Ihr schlendert auf der Herbstmesse gemütlich an den Ständen vorbei. Der Geruch von gebrannten Mandeln, Raclette und Grillwürsten liegt in der Luft. Dir läuft das Wasser im Mund zusammen.

Hier ein wenig gebrannte Mandeln, dort eine Wurst … für ein wenig Magenbrot ist auch noch Platz und das Raclette … nur für den „Gluscht“.

Dein Verstand rebelliert schon lange. Achtung! Das ist nicht gesund. Zu viel Zucker, zu viel Fett, das kommt nicht gut.

Deinem Unbewussten ist das sch…egal. Es geht ihm gut. Was will es mehr? Gute Gesellschaft von deinen Freundinnen, schmackhafte Leckereien und ein voller Magen. Das ist Wohlbefinden pur! Wo liegt das Problem?

Dein Unbewusstes lebt im Hier und Jetzt. „Nicht gesund“ versteht es nicht. Warum sollte es auch. Solange es geniessen kann …

Der Verstand kann in die Zukunft denken. Das Unbewusste kann das nicht. Darum brauchst du eine gute Strategie und Argumente, die dein Unbewusstes ansprechen.

Es braucht ein Bild, das die negativen Konsequenzen mit einem negativen somatischen Marker quittiert. Sodass die Situation vermieden werden muss.

Stell dir vor, wie du durch den übermässigen Konsum von „Junk“ ein wenig an Gewicht zulegst. Die Trainings werden durch die Blähungen zur Tortur. In den Wettkämpfen hinkst du regelmässig hinterher und nach jedem Wettkampf bist du frustriert.

Ziemlich sicher wird sich dein Unbewusstes schon beim Gedanken an die „love handles“ mit einem beklemmenden Gefühl melden. Psychisches Wohlbefinden ist das sicher nicht. Das muss vermieden werden!

Das nächste Mal wirst du dir gut überlegen, ob du dich einfach mit „Junk“ vollstopfst.

Durch die beidseitige Ablehnung ist das Unbewusste wieder im Boot.

Ein einfacher Wörtertausch bewirkt Wunder

FreiheitHarte Trainingsformen und Intervalltrainings gehören zu deinem Trainingsalltag. Darüber bist du dir bewusst. Für deinen Verstand ist es logisch, dass du regelmässig und konsequent trainieren musst. Trotzdem spielt dir dein Unbewusstes immer wieder einen Streich und sträubt sich gegen einen Verstandesentscheid.

In vielen Fällen können solche Konflikte auf eine sehr einfache Art gelöst werden.

Problematisch wird es immer dann, wenn eine Situation respektive das damit verbundene Bild mit einer negativen Emotion verbunden ist.

„Ich muss das harte Intervalltraining eisern durchziehen.“

„Muss“, „eisern“ und „hart“ lösen kaum gute Gefühle aus. Das sind eher Dinge, die wir vermeiden wollen. Trainieren müssen … eher nicht 😉 Mir hat das Training Spass gemacht. Abgesehen von Sprinttraining.

Schon alleine beim Gedanken an „trainieren müssen“ rollen sich bei mir die Zehennägel. Beim Sprinttraining übrigens auch.

Ein einfacher Wörtertausch bringt sehr oft und schnell die Lösung und das Unbewusste ins Boot.

„Ich gönne mir ein gutes und ergiebiges Training“ oder „Ich gönne mir die Freiheit für ein geiles Training“.

Ersetze Unwörter wie „abgrenzen“, „müssen“ etc. durch Wörter, die bei dir ein SUPER Gefühl auslösen. Damit holst du das Unbewusste ins Boot.

Fazit

Spätestens jetzt sollte dir klar sein, dass es das „Viech, das man nicht beim Namen nennen sollte“ nicht gibt.

Die Metapher „Innerer Schweinehund“ kannst du nun für immer und ewig beerdigen und deinem Unbewussten den Raum geben, den es verdient.

Gehe achtsam damit um und schau, dass du es, wenn immer möglich, im Boot hast.

Gehe sparsam mit Selbstkontrolle um und nimm dein Unbewusstes nur an die Leine, wenn es nicht anders geht.

Du weisst am besten, was gut für dich ist!

Ich wünsche dir viel Freude mit deiner MEGA Ressource!

Wo ist es dir schon gelungen, dein Unbewusstes ins Boot zu holen?

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.

PPS: Lilli, es tut mir leid, dass du „das Viech, das man nicht beim Namen nennen sollte“  wegrationalisieren und den Job durch das Unbewusste besetzen musst.

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