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„Mir fehlte die Motivation“ oder „Heute war ich besonders“ motiviert. Das sind Aussagen, die du von dir, Sportkollegen oder bekannten Athleten bestimmt schon gehört hast. Doch woher kommt deine Motivation und wie beeinflussen Motive deine Leistung?

Motive: deine Antreiber

Motive steuern dein Verhalten und geben deinem Handeln Kraft und Energie. Der Begriff kommt vom lateinischen Wort „movere“, was so viel heisst wie „bewegen“. Ein Motiv wird immer dann angeregt, wenn der Ist-Zustand vom Soll-Zustand abweicht. Oder einfach gesagt, wenn ein Bedürfnis befriedigt und ein Ziel oder ein Zielzustand erreicht werden muss.

Auch Hoffnung und Angst spielen eine wichtige Rolle, wenn eines deiner Motive angeregt wird und dein psychisches Wohlbefinden gesichert werden muss. Die Angst, ein Ziel nicht zu erreichen und die damit verbundenen negativen Emotionen zu vermeiden, kann bei dir genauso viel Energie freisetzen wie deine Hoffnung, das Ziel zu erreichen und mit positiven Emotionen belohnt zu werden.

Deine Angst, alleine zu sein oder zurückgewiesen zu werden, kann dazu führen, dass du alles unternimmst, um wieder einen Anschluss an eine Gruppe oder zu einer vertrauten Person herzustellen. Damit du das beklemmende Gefühl „der Einsamkeit“ vermeiden und abwenden kannst. Siehst du andererseits einen guten Freund auf dem Sportplatz, beginnt dein „Herz zu tanzen“. Die Hoffnung auf eine gute Zeit und gemeinsamen Spass gibt dir die Energie, freudig auf ihn zuzugehen.

Damit deine Motive angeregt werden, braucht es immer einen Anreiz. Das kann eine Umweltsituation oder ein Bedürfnis sein, das bei dir von innen heraus entsteht.

Implizit oder explizit

Die Psychologen unterscheiden zwischen impliziten (unbewussten) und expliziten (bewussten) Motiven. Was heisst das? Implizite Motive werden durch „natürliche“ Auslöser wie Bedürfnisse oder bestimmte Situationsmerkmale ausgelöst. Im Kern eines Motivs können ein oder mehrere Bedürfnisse aktiv sein.

Wenn du beispielsweise das Bedürfnis nach Nähe zu einer vertrauten Person hast, gehst du auf diese zu. Das Motiv verbindet somit dein Bedürfnis nach Nähe mit einer konkreten Verhaltensweise – auf die vertraute Person zugehen – zu seiner Befriedigung.

Dies geschieht spontan, ohne dass du dir darüber im Klaren bist, warum das so ist. Es läuft unbewusst ab.

Das Motiv verbindet somit drei Merkmale:

  • deine Bedürfnisse
  • Umweltmerkmale, die gemäss deiner eigenen Erfahrung geeignet sind, dein Bedürfnis zu befriedigen (öffentliche oder private Umgebung, bekannte oder unbekannte Menschen, die Haltung von anderen Personen, ein freundliches Lächeln und vieles mehr)
  • dein eigenes Verhalten, das im gegebenen Kontext dein „akutes“ Bedürfnis befriedigt (zurücklächeln, Gesellschaft suchen, drohen oder sonst etwas Geeignetes tun)

Ein Motiv kann also durch ein Bedürfnis oder eine bestimmte Situation aktiviert werden. Auch eine Situation und ein Bedürfnis können zusammen aktivierend wirken.

Implizite Motive sind Erfahrungsnetzwerke, die unterschiedlichste Kombinationen dieser Merkmale sowie dazu passende Verhaltensweisen gespeichert haben und auf dieser Erfahrungsbasis dein Verhalten steuern.

Implizite Motive sind zeitlich überdauernde Persönlichkeitsmerkmale, die durch Erfahrung entstehen. Nur unbewusste Motive verleihen deinem Handeln über lange Zeit Kraft und Energie. Es sind deine ganz persönlichen Kraftquellen! Denn jeder Sportler hat sein individuelles Motivprofil.

Im Gegensatz dazu sind explizite Motive stark mit deinen Erwartungen und bewussten Zielen verbunden. Das Verhalten, das aus diesen Motiven resultiert, ist eher eine kurzfristige Reaktion für spezifische Situationen.

Du denkst vielleicht explizit (bewusst), dass du einen engen Kontakt zu deinen Eltern pflegen solltest und ihnen ausgiebig darüber erzählen, was du alles tust und was dich persönlich beschäftigt. Unbewusst ist dir das Bedürfnis nach Elternnähe jedoch nicht mehr so wichtig, weil du lieber Zeit mit deinen Sportskollegen, Freunden oder deiner grossen Liebe verbringst. Es kann sogar sein, dass sich dein Körper mit „Bauchschmerzen“ meldet, wenn du dich verpflichtet fühlst, Zeit mit deinen Eltern zu verbringen, und dein Unbewusstes das gar nicht will. Dieser „innere Stress“ wäre ein untrügliches Zeichen für einen Motivkonflikt.

Bewusste und unbewusste Motive können miteinander im Konflikt stehen. Wenn keine geeigneten Strategien vorhanden sind, diese Konflikte zu lösen, kann dies zu Problemen und Leistungseinbussen führen.

Doch welche unbewussten Motive geben dir Kraft und Energie?

4 unbewusste Motive, die dir Kraft geben

In der PSI-Theorie (Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen) von Julius Kuhl unterscheiden wir vier Basis-Motive. Die beiden wirkungsorientierten Motive Macht und Leistung sowie die beiden anreizorientierten Motive Beziehung (Anschluss) und Freiheit. Einige, die sich mit der Materie ein wenig auskennen, fragen sich vielleicht, woher das Freiheitsmotiv kommt. Dieses wurde von Julius Kuhl (IMPART -Institut für Motivation und Persönlichkeitsentwicklung Assessment Research und Training) hinzugefügt, um es von den anderen Motiven, insbesondere dem Machtmotiv, abzugrenzen.

Das Leistungsmotiv – Herausforderungen meistern

Neues zu lernen und deine Fähigkeiten stets zu verbessern, dich mit anderen zu messen und neue, spannende Aufgaben zu meistern: Dies weckt in dir Neugier, Spass und Begeisterung.Leistungsmotiv

Sport ist für dich eine Herausforderung, in der du dich gerne mit anderen misst. Dieses Motiv gibt dir die Energie, deine Fähigkeiten stetig zu verbessern und die Kraft, Neues zu entdecken.

Als leistungsmotivierter Athlet brauchst du echte Herausforderungen. Zu leichte oder zu schwierige Aufgaben sind für dich demotivierend. Dein Leistungsmotiv wird nur dann aktiviert, wenn die Wahrscheinlichkeit für das Gelingen oder Misslingen einer Aufgabe 50/50 ist.

Orientiere dich an einem klaren und herausfordernden Ziel wie zum Beispiel der zu laufenden Zeit, der zu erreichenden Punktzahl oder der Anzahl der Treffer.

Roger Federer und Mikaela Shiffrin sind gute Beispiele für leistungsmotivierte Athleten. Bei ihnen geht es in erster Linie um Perfektion und das Verbessern der eigenen Fähigkeiten. Im Rahmen der Ski-WM in Beaver Creek machte Mikaela Shiffrin im Interview mit dem Schweizer Fernsehen eine für eine leistungsmotivierte Athletin sehr typische Aussage:

„Es geht mir nicht um das Gewinnen, ich will besser werden. Ich möchte so gut Ski fahren, wie es für mich möglich ist. Wenn dann jemand schneller ist, herzlichen Glückwunsch!“ – Mikaela Shiffrin

Machtmotiv – durchsetzen und beeinflussen

Einfluss zu nehmen und dich gegen einen Gegner durchzusetzen, lässt dich positive Gefühle wie Überlegenheit, Stolz und Anerkennung erleben.06_Machtmotiv

Du gehst zum Sport, weil du dort Aufmerksamkeit und Anerkennung tankst. Dieses Motiv gibt dir die Energie, eigene Vorstellungen und Interessen zu verfolgen, eigene Ideen zu verwirklichen und dich gegen deine Gegner durchzusetzen.

Für dich ist der Kampf Mann gegen Mann besonders reizvoll. Es geht für dich also nicht darum, dich selbst zu verbessern um des Verbesserns willen. Es geht für dich darum, besser zu sein als andere und dich gegen sie durchzusetzen! Vielleicht übernimmst du auch gerne die Führung als Teamleader oder Captain, unterstützt andere und gibst ihnen wertvolle Tipps.

Der Langstreckenläufer Mo Farah zeigt in seinen Läufen ein sehr machtmotiviertes Verhalten. Er kontrolliert in seinen Wettkämpfen das Feld von hinten bis rund zwei Runden vor Schluss. Dann übernimmt er die Spitze. Von dort macht er so viel wie nötig, damit er die Nase vorne behält. Er dominiert seine Gegner fast nach Belieben und beschleunigt immer ein wenig, sobald ihm jemand die Spitzenposition streitig machen will. Bei seiner Stärke ist das eine regelrechte Machtdemonstration, die für seine Gegner sehr zermürbend ist. Schau dir das Video von seinem 5000-m-Olympiasieg hier an. Wenn du wenig Zeit hast, kannst du bei Minute 14 einsteigen.

Beziehungsmotiv (Anschluss ) – Kontakte pflegen

Der Austausch mit anderen Menschen, gute Gespräche und ein besonderer Teamgeist sind dir wichtig. Sie lassen dich Herzlichkeit, Nähe, Geborgenheit und Sicherheit erleben.06_Beziehunsmotiv

Du gehst zum Sport, weil du dort Freunde triffst und ihr zusammen Spass habt.
Dieses Motiv gibt dir die Energie, auf andere zuzugehen, Beziehungen aufzubauen und zu gestalten.

Dieses Motiv triffst du oft im Mannschaftsport an, obwohl es auch bei Einzelsportlern sehr ausgeprägt sein kann. Beziehungsmotivierte Athleten holen sich ihre Energie aus zwischenmenschlichen Beziehungen und stellen sich gerne in den Dienst der Mannschaft. Trifft dies auf dich zu, bist du ein sehr wertvoller Teamplayer, der in „Krisensituationen“ einen Unterschied machen kann, weil du die Mannschaft zusammenhältst. Ist dieses Motiv zu einseitig ausgeprägt, kann es dir manchmal schwerfallen, deine Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen und dich durchzuboxen.

Bei Lukas Podolski ist es denkbar, dass dieses Motiv und ein fehlendes oder wenig ausgeprägtes Machtmotiv dafür verantwortlich sind, dass er es nicht schaffte, sich in einem Spitzenverein durchzusetzen. Er stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Jogi Löw untermauert diese Vermutung mit der folgenden Aussage in der FAZ:

„Lukas Podolski ist jetzt seit über zehn Jahren bei der Nationalelf dabei. Er hat immer volles Engagement für Deutschland gezeigt, nie Länderspiele abgesagt, hat im Training und den Spielen immer alles gegeben. Das hat auch einen Wert für mich.“ – Jogi Löw

Freiheitsmotiv – unabhängig sein

Unabhängig sein, selber bestimmen, wie du etwas tust, und dich selbst verwirklichen zu können, lässt dich ein ungeahntes Freiheitsgefühl sowie Vertrauen in deine Fähigkeiten erfahren.06_Freiheitsmotiv

Du gehst zum Sport, weil du dort in deinem Element bist und dich verwirklichen kannst. Dieses Motiv gibt dir die Energie, nach Möglichkeiten zu suchen, dich weiterzuentwickeln und zu wachsen.

Als freiheitsmotivierter Athlet sind für dich zu starre Rahmenbedingungen ein Gräuel. Du verwirklichst dich gerne selber und brauchst viele Freiräume im Training. Das Vertrauen in deine Fähigkeiten gibt dir die Bestätigung für Topleistungen.

Der Snowboarder, Speedflyer und Crossover-Athlet Ueli Kestenholz ist für mich ein Paradebeispiel für einen Sportler mit einem stark ausgeprägten Freiheitsmotiv. Typisch für dieses Motiv ist auch die Auseinandersetzung mit der Natur. Ueli Kestenholz bewegt sich immer mit einem Brett an den Füssen in der Natur. Er lebt sein Traumleben in grenzenloser Freiheit mit Höhenflügen und Adrenalinkicks.

Individuelles Motivprofil

Deine Motive bilden sich durch persönliche Erfahrungen und kommen in unterschiedlichen Stärken und Kombinationen vor. Jeder Sportler hat sein individuelles Motivprofil.

Weil sie eben unbewusst sind, ist es nicht ganz einfach, ihnen auf die Spur zu kommen. Dies ist nur mit projektiven Tests wie dem Sportmotivtest möglich. In diesem Test werden deine Assoziationen zu vielen unterschiedlichen Bildern, die typische Sportsituationen zeigen, abgefragt. Aus deinen Assoziationen zu den Bildern kann man dein ganz individuelles Motivprofil bestimmen.

Kennst du dein Motivprofil, ist es für dich einfacher, dein Training und deine Wettkämpfe entsprechend deinem Motivprofil zu gestalten. Dein Trainer und dein Umfeld können deine Motive gezielt ansprechen und dich damit zusätzlich unterstützen, wenn sie deine unbewussten Kraftquellen anregen.

Ich habe eine Weltklasseathletin während einem Wettkampf gezielt und wiederholt unter Berücksichtigung  ihre Motive angesprochen. Nach dem Wettkampf sagte sie zu mir: „Es macht schon einen Unterschied, ob du am Streckenrand etwas rufst oder jemand anders.“ Meine Frage, was denn bei meinen Zurufen anders sei, beantwortete sie so: „Du sagst mir das, was ich hören will!“

Eine Frage ist noch offen:

Was ist Motivation?

Motivation entsteht, wenn ein Motiv angeregt wird oder ein Ziel für dich erstrebenswert ist. Motivation ist demzufolge ein „temporärer Zustand“ der „Energetisierung“, welche dir Handlungsenergie gibt. Diese wird so lange aufrechterhalten, bis das Motiv gesättigt oder das Ziel erreicht ist. Dann beginnt das Ganze wieder von vorne.

Wie stark deine Motivation ist, hängt davon ab, wie bedeutend und wichtig ein Ziel für dich ist und wie stark deine unbewussten Motive gesättigt sind.

Fazit

Nur unbewusste Motive verleihen deinem Handeln über lange Zeit Kraft und Energie. Es sind deine ganz persönlichen Kraftquellen!

Kennst du dein Motivprofil und hast du das Unbewusste im Boot, ergeben sich für dich und deine Unterstützer neue Möglichkeiten in Training und Wettkampf.

Du möchtest mehr über den Sportmotivtest erfahren und dein eigenes Motivprofil erfahren? Dann kontaktiere mich persönlich. Ich freu mich auf deine Nachricht!

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot und mentaler Stärke alles ein wenig einfacher geht.

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