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„Ich habe keine Luft mehr zum Atmen und ich fühle mich manchmal wie in einem zu eng geschnürten Korsett.“

Das erzählte mir Laura in unserem ersten Gespräch.

Hast du als Trainer Athleten in deinem Team, die sich mit starren Strukturen schwertun, schwierig zu führen sind und immer ein wenig quer in der Landschaft stehen? Für ihre Leistungsschwankungen hast du keine plausible Erklärung?

Athletinnen mit einem stark ausgeprägten Freiheitsmotiv sind nicht immer die Einfachsten.

Bis an die Schmerzgrenze

Mit ihren Launen bringt Laura ihren Trainer und die Teamkollegen immer wieder an ihre Grenzen. Und sich selber auch.

Sie geht mit ihrem Verhalten bis an die Schmerzgrenze und ab und an auch darüber hinaus.

„Ich kann mir das selber nicht erklären. Sobald ich mich eingeengt fühle, macht sich die Rebellin in mir bemerkbar. Das ist, als ob ein Schalter in meinem Kopf umgelegt wird.“

Laura unternimmt in diesen Situationen alles, damit sie die Fesseln wieder ablegen kann. Warum das so ist, war ihr lange nicht bewusst.

Ich mach mein Ding

Laura macht am liebsten ihr Ding. Dabei schert sie sich einen Deut darum, was andere über sie denken. Wenigstens entsteht dieser Eindruck, wenn man ihr zuhört. „Die anderen sind mir egal“, sagte sie immer wieder. Und dennoch möchte sie dazugehören. 😉

Laura ist eine aussergewöhnliche junge Dame, die ihren Weg konsequent und (fast) ohne Kompromisse geht. Für eine 17-Jährige hat sie sehr klare Vorstellungen von dem, was sie will respektive nicht will. Ihrem Trainer Roger bereitet das manchmal Kopfzerbrechen. Andererseits beeindruckt es ihn auch.

„Gute Athletinnen sind nicht immer bequem, vielleicht muss ich ihre Launen einfach aushalten und sollte mir nicht so oft einen Kopf machen.“ Das war die Aussage von Roger. Ich habe diese Erfahrung mit ihr ja schon einmal gemacht, als überhaupt nichts mehr ging.

Als ihr unbewusstes Freiheitsmotiv wieder befriedigt wurde, ging es wieder aufwärts mit ihr.

Kraftquelle Freiheitsmotiv

Freiheitsmotivierte Athletinnen wie Laura wollen sich selbst verwirklichen. Sie streben nach Unabhängigkeit und Selbsterkenntnis.

Unabhängig zu sein, selber zu bestimmen, wie sie etwas tut und sich selbst verwirklichen zu können lassen Laura ein ungeahntes Freiheitsgefühl sowie Vertrauen in ihre Fähigkeiten erfahren. Dieses Vertrauen gibt ihr die Kraft, persönlich und sportlich zu wachsen. Frei von inneren und äusseren Zwängen läuft sie zur Höchstform auf.

Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und genügend Entscheidungsfreiheit sind für freiheitsmotivierte Athletinnen wie Laura Schlüsselfaktoren, die ihnen Flügel verleihen. Nach misslungenen Wettkämpfen und Selbstzweifeln kommt es bei freiheitsmotivierten Athleten gerne zu einer Selbstentwertung. In diesen Momenten wirken sie wie ein Häufchen Elend. Dann sind sie auf deine Hilfe angewiesen.

Bei Angriffen von aussen schützen sich freiheitsmotivierte Athletinnen. Sie mauern und grenzen sich gegen äussere Erwartungen ab, die nicht mit ihren Werten übereinstimmen. Das Selbst wird dann vehement verteidigt. Das kann sehr anstrengend sein. Doch genau in diesen Situationen brauchst du viel Fingerspitzengefühl.

Laura steht gerne im Mittelpunkt und ist mit einem gesunden Selbstvertrauen ausgestattet. Sie geht ihren Weg und geniesst es, wenn ihre Leistungen Anerkennung finden. Sie möchte unabhängig und frei sein.

Das Freiheitsmotiv gibt Laura die innere Kraft, zu reifen und nach Möglichkeiten zu suchen, sich weiterzuentwickeln.

Das ist Laura

  • freiheitsliebend
  • authentisch
  • mutig
  • ichbezogen
  • selbstbewusst
  • offen für Neues
  • lernwillig
  • manchmal unsicher
  • selbstschützend

Das motiviert Laura

  • Unabhängigkeit
  • für sich zu sein
  • im Mittelpunkt zu stehen
  • sich selber verwirklichen zu können
  • ihr Ding zu tun
  • neue Erfahrungen zu sammeln
  • Wahl- und Entscheidungsfreiheit

Das blockiert Laura

  • zu starre Strukturen
  • nicht gewürdigt zu werden
  • sich unverstanden zu fühlen
  • sinnlose Aufgaben (nach ihrem Empfinden)
  • eingeengt zu sein
  • fehlende Entscheidungsfreiheit
  • wenn sie sich selber kleinmacht

Aussagen verraten das Motiv

Freiheit heisst auch, sich seine Abhängigkeiten selbst wählen zu dürfen. – Ernst Fersl

Deine Athleten und Athletinnen geben dir mit ihren Aussagen immer wieder Hinweise, woher sie ihre Motivation nehmen oder was sie frustriert.

Typische Aussagen von Laura

  • „Ich gehe ins Training, weil ich Spass und Lust dazu habe.“
    Der Spass- und Lustfaktor wird von freiheitsmotivierten Athleten gerne genannt. Wenn es für sie passt und sie sich wohl fühlen, gehen sie komplett in der Aufgabe auf. Was rundherum passiert, spielt dann kein grosse Rolle mehr. So lange sie sich verwirklichen können.
  • „Ich habe keine Lust zum Training, weil ich mich schon wieder stur an den Trainingsplan halten muss.“
    Freiheitsmotivierte Athletinnen möchten auch im Training Wahlfreiheit haben. Zu eng gefasste Trainingspläne ohne Spielraum sind für sie eine Tortur.
  • „Ich mag es, wenn ich meinen Trainings- und Wettkampfplan mitgestalten kann.“
    Klar doch, da kommt die Wahl- und Entscheidungsfreiheit wieder zum Tragen. Zudem fördert das die Autonomie, die Selbstverantwortung und es steigert das Selbstvertrauen. Vor allem, wenn das Training zum Ziel führt.

Kraftquellen gezielt ansprechen

Unbewusste Motive sind die persönlichen Kraftquellen deiner Athleten. Nur diese verleihen ihrem Handeln über lange Zeit Kraft und Energie.

Unbewusste Motive sind Erfahrungsnetzwerke, die dein Verhalten aufgrund deiner persönlichen Erfahrungen steuern.

Freiheitsmotivierte Athleten wollen sich selbst verwirklichen. Deshalb solltest du sie auch auf dieser Ebene ansprechen.

Zeige, dass du Vertrauen hast ihn ihre Fähigkeiten und bestätige sie. Damit gibst du ihnen das Vertrauen, das sie beflügeln kann.

Z.B.: „Mach es so, wie es für dich am besten passt. Ich vertraue auf deine Fähigkeiten.“ Dadurch fühlen sich Freiheitsmotivierte unabhängig und frei in ihrer Entscheidung.

Wenn du ihnen die Wahlfreiheit gibst und sie die Trainings-/ Wettkampfplanung mitbestimmen dürfen, hast du sie schneller im Boot, als du denkst. Manchmal reicht es schon, wenn du ihnen Optionen bietest.

Bei Laura hat die Wahlfreiheit immer Wunder bewirkt. Selbst wenn sie danach genau das Gleiche machte wie der Rest vom Team. Der kleine Unterschied: Sie hat selbst gewählt. Natürlich gibt es Dinge, die müssen einfach gemacht werden. Doch … selbst dazu gibt es Varianten. 😉

Freiraum gewähren

Gewähre deinen Athletinnen Freiraum und lass sie atmen. Finde mit ihnen gemeinsam heraus, wie sie ihr Freiheitsmotiv leben können und was sie beflügelt.

Sie werden es dir danken und dich dafür lieben.

Natürlich braucht es Strukturen und Regeln. Unterstütze freiheitsmotivierte Athleten im Rahmen deiner Möglichkeiten, damit sie sich verwirklichen können.

Gibt ein wenig mehr „Leine“, wenn sich deine Athletinnen über mangelnden Freiraum beklagen. Eine einfache Frage wie: „Wann hast du das Gefühl, dass du dich im Training entfalten kannst?“ hilft, das Eis zu brechen.

Fazit

Gewährst du deinen freiheitsmotivierten Athleten Freiraum, Wahlfreiheit und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, verleihst du ihnen Flügel.

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will. – Jean-Jacques Rousseau

Manchmal braucht es wenig, eine Athletin zu motivieren.

Wann hast du das letzte Mal einer Athletin (oder einem Athleten) Flügel verliehen?

Wie hast du das geschafft?

Nutzte deine Möglichkeiten.

Martin
PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass jeder seine unbewussten Motive kennen sollte.