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Beeinflusst das Verhalten der Eltern die mentale Stärke von Nachwuchsathleten?

Vor Kurzem hatte ich eine spannende Diskussion, bei der mir eine Sportlermama diese Frage stellte.

„Ja, natürlich“, war meine Antwort.

Dann habe ich einen Moment nachgedacht und ein paar meiner Athleten sowie das Verhalten ihrer Eltern „gescannt“ und mir überlegt, welche Faktoren einen besonderen Einfluss haben.

Ein paar haben sich herauskristallisiert. Es gibt ein paar Dinge, die (fast) alle Eltern von mental starken Nachwuchsathleten gleich oder ähnlich tun.

1. Sie würdigen den Effort ihrer Kinder, nicht das Ergebnis

Leistungssport ist nicht immer fair. Vor allem in jungen Jahren hat die körperliche Entwicklung einen grossen Einfluss auf die Leistung und das Ergebnis von Nachwuchsathleten.

Frühentwickler schwingen durch ihre entwicklungsbedingten Vorteile immer oben aus. Die Spätentwickler haben das Nachsehen. Selbst wenn sie technisch und taktisch besser sind.

Für Jugendliche kann das sehr frustrierend sein. Schliesslich investieren sie viel in ihre Leidenschaft. Aufwand und Ertrag stehen in der Wahrnehmung der Jugendlichen in einem Missverhältnis, das sie nicht immer richtig einordnen können.

Eltern (und auch Trainer) anerkennen den Effort. Sie zeigen ihren Schützlingen ihre positiven Entwicklungsschritte auf und messen sie daran und nicht nur am Ergebnis. Denn sie wissen, dass eine einseitige und kurzfristige Ergebnisorientierung „Nonsens“ ist.

Es ist einfach, eine Leistung zu kritisieren. Und es ist schwer, die Arbeit, die dahintersteht, zu würdigen.

Natürlich geht es im Leistungssport um Ergebnisse, persönliche Bestleistungen und Vergleiche. Doch so manches „Talent“ ist in der Versenkung verschwunden und mental gebrochen, weil das Ergebnis in jungen Jahren zu sehr im Vordergrund stand. Im Gegensatz dazu gibt es diverse Spätentwickler, die ihren Weg an die Spitze machten.

Und warum? Weil ihr Einsatz gewürdigt wurde und sie regelmässig positive Bestätigung erfahren haben. Darum konnten sie ihren Sport mit Freude ausüben.

Und denk daran: Es wird nicht aus jedem ein Roger Federer, Michael Phelps oder ein Wayne Gretzky. Auch wenn du als Mama oder Papa gerne davon träumst.

Entscheidend ist nur, was dein Kind will und welchen Weg es gehen möchte. Nicht, was du dir für dein Kind erträumst.

Würdigst du den Effort deines Kindes?

2. Sie bringen ihren Kindern bei, realistisch zu denken

Jeder Nachwuchsathlet hat Träume.

Sie träumen von grossem Erfolg, von Olympischen Spielen oder Grand-Slam-Siegen. Und sehen sich schon zuoberst auf dem Treppchen stehen. Ich habe das auch gemacht. Du auch?

Dennoch ist es wichtig, dass du deinem Kind einen guten Realitätssinn mitgibst. Das heisst nicht, dass du ihre Träume im Keim ersticken sollst. Sie dürfen und sollen träumen.

Nachwuchsathleten, die andauernd (und grundlos) in den Himmel gelobt werden, entwickeln ein „ungesundes Selbstvertrauen“. Oder wenn sie z.B. durch einen körperlichen Vorsprung ohne grosse Anstrengung besser sind als alle anderen, denken sie: „Das wird einfach, die habe ich sowieso im Sack.“ Sie lernen nicht, dass man für ein Ergebnis auch etwas tun muss. Da hilft es, wenn du auch einmal die Realität aufzeigst.

Sonst kann es passieren, dass sie eine verzerrte Selbstwahrnehmung entwickeln. Diese Typen sehen wir dann bei „Deutschland sucht den Superstar“. Sie können nicht verstehen, warum ihre Genialität nicht anerkannt und von niemandem wahrgenommen wird. Oder sie sind davon überzeugt, dass sie mit ihren ausserordentlichen Fähigkeiten in die Nationalmannschaft aufgenommen werden. Jeder, der das nicht sieht, ist ein Idiot oder Loser. 😉

Nur wer mehr erwartet, als er investiert, wird enttäuscht.

Eltern von mental starken Nachwuchsathleten lehren ihre Kinder, sich und ihre Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Zudem ermutigen sie ihre Kinder zu wachsen und Neuland zu entdecken. Ein Nachwuchsathlet, der seine Möglichkeiten und Grenzen kennt, weiss, dass er etwas für den Erfolg tun muss. Er weiss auch, wo er investieren muss, um seine Fähigkeiten und seine Leistung zu verbessern.

Um dein Kind zu unterstützen, kannst du z.B. Fragen stellen wie: „Wo kannst du noch etwas verbessern, um deine Chancen für eine gute Leistung zu erhöhen?“

Hilf deinem Kind, seine Fähigkeiten und Möglichkeiten zu entdecken. Und bestätige es darin. Auch wenn es nicht das Potenzial hat, ein Roger Federer zu werden.

Wenn dein Kind das Gefühl hat, ich kann dies oder jenes sowieso nicht … wird es nicht einmal einen Versuch unternehmen. Unterstütze es auch in dieser Situation. Z.B. Mit einer Frage wie: „Wo ist es dir schon einmal gelungen?“

Unterstütze dein Kind dabei, seine Möglichkeiten zu nutzen und auszuschöpfen. Damit wird es auch mental wachsen. Weil es ein gutes Gefühl dafür entwickelt, in welchen Bereichen es gut ist und wo es noch dazulernen muss.

Bringst du deinem Kind bei, seine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen?

3. Sie lehren sie, die Leistung von anderen zu würdigen

Wenn du die Leistung von anderen Athleten würdigst, wird es auch dein Kind tun. Leider ist das noch nicht bei allen Eltern angekommen. Gute Leistungen von anderen Athleten werden von gewissen Eltern oft mit Missgunst und Neid auf übelste Weise abgetan.

Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen.
– Augustinus Aurelius

Eltern von mental starken Nachwuchsathleten sind anders! Sie bestärken ihre Kinder in dem, was sie besonders gut können, und lehren sie, anzuerkennen und zu bewundern, was andere gut können.

Für Nachwuchsathleten ist es wichtig zu erkennen, dass jeder andere Talente hat und Faktoren wie z.B. viel Technik-Training es Petra ermöglichen, mit ihrem Mountainbike einen „Rock Garden“ (ein schwieriger technischer Abschnitt) mit Leichtigkeit zu fahren. Dafür ist Lucia ein Ass in den Anstiegen. Andrea kommt auf dem Mountainbike überhaupt nicht zurecht, dafür spielt sie gut Tennis und hat ein ausgezeichnetes Schlagrepertoire.

Ein Nachwuchsathlet, der seine Fähigkeiten richtig einschätzt und sich angenommen fühlt, kann auch mit Misserfolgen umgehen. Er kann sich auch herzlich über gute Leistungen von anderen freuen und diesen auf die Schulter klopfen. Selbst wenn es bei ihm nicht so rosig lief. Dadurch lernen sie auch, mit ihren Emotionen umzugehen.

Würdigst du die Leistung anderer Nachwuchsathleten? Und ermutigst du dein Kind, es dir gleich zu tun?

4. Sie lassen ihre Kinder selber entscheiden

Ist eine 16-Jährige in der Lage, selber Entscheidungen zu treffen?

Diese Frage ist kein Fake. Sie wurde mir gestellt. Du kannst dir sicher gut vorstellen, dass mir mein Gesicht entgleist ist und ich aus allen Wolken gefallen bin.

Erstaunlicherweise haben Eltern von Nachwuchsathleten oft das Gefühl, ihre Kinder sind nicht in der Lage, selber Entscheidungen zu treffen. Darum wird ihnen jede Entscheidung abgenommen. Man darf sie ja nicht unnötig belasten. Das ist Schwachsinn!

Wenn du auf einem Sportplatz stehst, kannst du leicht feststellen, welche Kinder unter dem Hammer der Eltern sind und nicht selber entscheiden dürfen.

Weisst du, wie?

Das sind die Nachwuchsathleten, die nach jeder Aktion hilfesuchend den Kopf nach dem Vater oder der Mutter drehen. Wenn ich das sehe, blutet mir das Herz. Es ist selbstredend, dass die Leistungen dieser Athleten oft um Welten besser sind, wenn die Eltern nicht anwesend sind.

Ich weiss, das ist eine gewagte Aussage … die ins Schwarze trifft.

Eltern von mental starken Nachwuchsathleten lassen ihre Kinder selber entscheiden.

Selbstständig Entscheidungen zu treffen ist die wichtigste mentale Fähigkeit für einen Athleten.

Nachwuchsathleten, die das Vertrauen ihrer Eltern geniessen, entscheiden selber. Natürlich fehlt ihnen für manche Entscheidungen noch die Erfahrung. Da braucht es ein wenig Unterstützung von deiner Seite.

Wenn ein Nachwuchsathlet jedoch von klein auf lernt, Entscheidungen zu treffen und dazu ermutigt wird, kann er sich von kleinen Entscheidungen zu den gewichtigen emporarbeiten. Schritt für Schritt.

Ich glaube, es ist klar, dass ein Kind immer wieder falsche und manchmal auch schmerzhafte Entscheidungen trifft. Dann muss es auch die Konsequenzen seiner Entscheidungen tragen. Das nennt man lernen.

Möchtest du, dass dein Kind lernt, Entscheidungen zu treffen, für sein Handeln die Verantwortung übernimmt, Selbstvertrauen gewinnt und wächst?

Nachwuchsathleten, denen alle Entscheidungen abgenommen werden, kommen früher oder später in die Situation, dass sie trotz allem „Steine-aus-dem-Weg-Räumen“ selber entscheiden müssen.

Was passiert dann?

Sie sind überfordert, weil sie nie im Kleinen üben und trainieren durften. Dann stehen sie mit abgesägten Hosen da. Weil niemand mehr da ist, der Händchen halten und die „Kacke“ wegräumen kann. Das ist Sch…..

Entscheide selbst: Möchtest du dein Kind ermutigen, für sich selbst zu entscheiden und die Konsequenzen für seine Entscheidungen zu tragen, damit es wachsen kann?

Fazit

Eltern von mental starken Nachwuchsathleten sind gute Vorbilder und können ihre Wünsche von denen ihrer Kinder unterscheiden.

Sie fördern, fordern, bestärken und geben ihren Schützlingen die Möglichkeit, selbständig Erfahrungen zu sammeln, damit sie Selbstvertrauen aufbauen und ein realistisches Selbstbild entwickeln.

Sie lieben ihre Kinder unabhängig von ihren Leistungen und freuen sich auch über gute Leistungen von anderen Athleten. Denn sie wissen, dass auch diese ihr Bestes geben.

Welche Eigenschaften zeichnet dich als „Sportlermama“ oder „Sportlerpapa“ aus?

Gibt es noch weitere Eigenschaften von Eltern mental starker Nachwuchsathleten, die ich in meinem Artikel ergänzen sollte?

Lass es mich wissen und …

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit mentaler Stärke alles ein wenig einfacher geht.

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