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Du korrigierst deine Athleten bei technischen Fehlern und sagst ihnen, was sie optimieren können. Du gibst ihnen konstruktives Feedback nach einem Wettkampf und weist sie darauf hin, was sie im nächsten Wettkampf besser machen können. Manchmal lobst du sie für gute Trainings oder wenn sie etwas ausserordentlich gut gemacht haben. Es ist durchaus möglich, dass du zu wenig lobst. Doch wie viel Lob braucht es wirklich?

So nicht!

Ich kenne einen Eisschnelllauf-Trainer, der ein richtiger Perfektionist ist. Für ihn ist nur das Beste gut genug. Sein Anspruch an sich und seine Athleten ist dementsprechend hoch.

Als ich vor einer Weile eines seiner Trainings beobachtete und ein wenig zuhörte, verstand ich die Welt nicht mehr. Alles, was ich hörte, war defizitorientiert. Dies kannst du noch besser machen, das war nicht gut genug, oder wenn du dies nicht getan hättest, dann wäre … usw.

Das Gesicht der von ihm gecoachten Athletin wurde immer länger und die Körperhaltung immer defensiver. Kein Wunder! Wie würdest du dich in einer solchen Situation fühlen? Dabei meint er es sicher gut und will nur das Beste für seine Athletin.

Die Gottmann-Konstante

John Gottmann (ein Paarforscher) beobachtete in seiner Forschungsarbeit, dass in unglücklichen Beziehungen die negative Kommunikation überwiegt. In glücklichen Beziehungen ist das Verhältnis von positiver (Lob) zu negativer (Kritik) Kommunikation 5:1.

Das kann man sehr gut auf die „Trainer-Athleten-Beziehung“ übertragen. Was heisst das?

Dabei geht es nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität von deinem Lob! Lobe ehrlich und aufrichtig. Kommuniziert dein Verstand etwas anderes als dein Unbewusstes, merkt dies dein Athlet sehr schnell.

Banales und Selbstverständliches loben

Manchmal braucht es wenig für einen grossen Impact! Bestätige und lobe deine Athleten auch für Kleinigkeiten. Du musst nicht nur RIESEN-Fortschritte loben. Ein guter Pass, eine super Tauchphase, eine gut gelaufene Kurve oder ein toller Start sind auch lobenswert.

Wie geht es dir, wenn du von deinem Chef oder deiner Partnerin gelobt und bestätigt wirst?

„…“

Siehst du, wir Sportler mögen das genauso!

Gezielt loben und bestätigen

Ermutige deine Athleten, hebe ihre Stärken hervor und mach ihre Erfolge sichtbar!

  • Dein Athlet gibt schnell auf? Lobe ihn, wenn er ein besseres Durchhaltevermögen an den Tag legt.
  • Deine Athletin sieht nur, was sie falsch macht? Hebe bewusst ihre Stärken hervor und lobe sie für das, was sie gut macht.
  • Dein Athlet hat einen guten Wettkampf absolviert und du siehst noch Optimierungspotenzial? Bestätige das Positive uns lass fünf mal gerade sein.

Lobe und bestätige gezielt, konkret und abwechslungsreich.

Lobe vor allem ehrlich und aufrichtig. Bestätigst du deinen Athleten, weil du denkst, dass man das so macht … wird dein Athlet das bemerken. Deine Körpersprache wird etwas anderes aussagen, als du es mit deinen Worten tust. Auch für aufrichtiges Lob muss das Unbewusste ins Boot.

Wie fühlst du dich, wenn du ein „heuchlerisches“ Lob bekommst? Das ist nicht wirklich toll. Ich komme mir jedenfalls „vera…….“ vor, wenn ich solches Gesülze höre.

Loben, was selber beeinflusst werden kann

Begabungen zu loben ist nicht sehr geschickt. Es kann dazu führen, dass ein Talent das Gefühl bekommt, es geht auch so. Dann strengt er oder sie sich zu wenig an oder bekommt Angst, Fehler zu machen. Bei einem weniger talentierten Athleten kann Frust entstehen, weil er sein Unvermögen auf seine Dummheit oder „Begriffsstutzigkeit“ zurückführt.

Lobe Dinge, die vom Athleten direkt beeinflusst werden können.

Eine schöne Handlung aus vollem Herzen loben, heisst, in gewissem Masse an ihr teilhaben. -François de La Rochefoucauld – Fr. Schriftsteller

Fazit

  1. Lob fördert die Trainer-Athleten-Beziehung

    Gezieltes, aufrichtiges Lob und Bestätigung wirken sich positiv auf die Beziehung aus.

  2. Lob stärkt das Selbstwertgefühl

    Wir freuen uns alle, wenn wir gelobt und bestätigt werden. Es tut einfach gut!
    – Du hast ein super Eis-/ Wasser-/Ballgefühl
    – Du siehst heute fit/gut aus
    – Ich schätze deinen Trainingsfleiss
    – etc.

  3. Lob fördert erwünschtes Verhalten

    Fairplay, Durchhaltevermögen etc. zu bestätigen ist in den meisten Situationen sinnvoller als abzustrafen.

  4. Lob reduziert unerwünschte Verhaltensweisen

    Ewiges „Nörgeln“ ist nicht zielführend. Eine Aussage wie „Schön, dass du in der Niederlage ruhig und fair geblieben bist“ bewirkt oft Wunder. Versuch’s mal.

  5. Lob motiviert

    Wenn etwas gut gelungen ist und du das Positive bestätigst, ist dein Athlet danach beflügelt und voller Tatendrang.

Probiere es aus und beobachte die Veränderung. Ich freue mich, wenn du die positiven Veränderungen, die durch dein Lob entstanden sind, als Kommentar hinterlässt.

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass Sportler, die sich wohl fühlen, bessere Leistungen bringen.