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Ich habe keine Rituale – bis auf Sachen, die man immer wieder gleich macht. – Michael Ballack

In letzter Zeit wurde ich wieder vermehrt auf den Aberglauben und Rituale im Sport angesprochen. Die Frage, die dabei immer wieder im Raum steht, ist:

„Ist das reiner Aberglaube oder ist da mehr dahinter?“

Da mich Rituale auch immer wieder zum Schmunzeln bringen, möchte ich das Thema für einmal mit einem Augenzwinkern betrachten.

Ich habe für dich ein paar Schmankerln zusammengestellt.

Legen wir los …

Athleten und ihre Rituale

1. Kosta Koufos, Basketball, Sacramento Kings

Vor jedem Spiel schläft der NBA-Basketballer Kosta Koufos zwei Stunden. Danach (rund eine drei viertel Stunden vor dem Spiel) bringt er sich mit Hip Hop und R&B für das Spiel in Stimmung.

Das ist definitiv ein ausgeschlafener Bursche!

2. Vlade Divac, Basketball, Vice President Sacramento Kings

Sogar Funktionäre sind abergläubisch und folgen ihren Ritualen. Das hat jedoch im Fall von Vlade Divac (was für ein Name) etwas mit seiner Vergangenheit zu tun. Der Vice President des NBA-Basketball-Teams Sacramento Kings duschte sich vor jedem Spiel, als er selber noch auf dem Platz aktiv war.

Ein richtiger Saubermann.

3. Turk Wendell, Baseball

Pitcher sind eine eigene Spezies. So war auch der Turk Wendell bekannt für seine vielen Rituale. Unter Anderem putzte er seine Zähne sehr oft zwischen den Innings. Manche sagen, er hat es bei jedem Spiel getan. Dabei versteckte er sich unter dem Unterstand oder hinter Gegenständen. Den Blick richtete er dabei auf die Wand. Angeblich putzte er seine Zähne nur dann, wenn er nach einem Inning über die Grundlinie gehechtet war.

Es ist nicht überliefert, ob und wie er dem Gegner die Zähne zeigte.

4. Tomáš Plekanec, Eishockey

Der stoische tschechische Eishockeyprofi der Montreal Canadiens fährt an jedem Spieltag die gleiche Strecke ins Stadion, folgt der gleichen Routine in der Garderobe und er platziert seinen Hockeystock vor jedem Spiel an der gleichen Stelle.

Gleich und gleich gesellt sich gern.

5. Bailey MacInnis, Volleyball

Die US-amerikanische Volleyballspielerin bringt sich vor jedem Spiel mit „High Kick“ in Stimmung. Ob sie damit die Teamkolleginnen oder den Gegner einschüchtern möchte, ist nicht überliefert.

„Kick ass!“ ist ihr Motto, oder?

6. Les Miles, American Football

Der American-Football-Coach ist eine schillernde Figur. Dass er vor jedem Spiel ein Büschel Gras ausreisst und in den Mund steckt, hat einen einfachen Grund: Es gibt ihm das Gefühl, ein Teil des Feldes und des Spiels zu sein.

Solange er dabei nicht ins Gras beisst … ist alles in Ordnung.

7. Brian Urlacher, American Football

Der NFL-Linebacker Brian Urlacher von den Chicago Bears schaut sich am Morgen vor einem Spiel immer seine Lieblings-Fischerei-Show im Fernsehen an. Kurz vor dem Spiel gönnt er sich zwei Chocolate-Chip-Cookies. Von einem Linebacker hätte ich ein „furchteinflössenderes“ Ritual erwartet.

Er ist ein sanftes Cookie-Monster.

8. Serena Williams, Tennis

Während eines Turniers trägt Serena Williams immer die gleichen Socken, die bis zum letzten Spiel nie gewaschen werden. Das passt nicht wirklich zu ihrem Tick, ihren Duschlappen mit auf den Platz zu nehmen.

Dreckspatz!

9. Eugene Terry, Basketball

Im Gegensatz zu Serena Williams macht der NBA-Basketballer Eugene Terry eine Sockenorgie. Nicht weniger als fünf Paar verbraucht er während eines Spieles. Die Nacht vor dem Spiel schläft er zudem in den Shorts des Gegners, um sich auf diesen einzustimmen.

Das nenne ich eine saubere Sache.

10. Jason Giambi, Baseball

Ein goldener Tanga musste es für den Baseball-Crack Jason Giambi richten, wenn es einmal nicht rund lief. Sein Glücksbringer hatte offensichtlich magische Kräfte. Darum zeigte er sich grosszügig und lieh seinen goldenen Tanga auch an seine Teamkollegen aus, wenn diese einmal in der Krise steckten.

Geteiltes Glück ist doppeltes Glück.

11. Michael Jordan, Basketball

His Airness hat unter seinen Chicago-Bulls-Shorts immer die Hosen seines Uni-Teams (North Carolina) getragen. Ohne diese ging gar nichts. Der sichtbare Effekt: Seine NBA-Kollegen taten es ihm gleich. Die langen Shorts im Basketball waren geboren.

Ein wahrer Opinionleader!

12. Jakub Janda, Skispringen

Für den Ordnungsfanatiker Jakub Janda muss alles an seinem Platz sein. Im Hotel wie auch im Auto. Wenn er auf dem Weg zum Bakken nicht hinter dem Beifahrer sitzen kann, springt er nicht.

Alles hat seinen Platz und noch ein wenig mehr.

13. Rafael Nadal, Tennis

Rafa ist der König der Ticks. Von sich selbst sagt er, ausserhalb des Spiels hätte er keine Rituale. 😉
Bei ihm folgt alles einer klaren Routine. Vor allem: Ordnung muss sein! Seine Trinkflaschen stehen immer schön aufgereiht auf einer Linie. Und wehe, es steht eine schief. Das haben sogar die Balljungen begriffen.

Apropos Linie … die weissen Linien betritt er nie.

Erfolgreich auf der ganzen Linie?

14. Patrick Roy, Eishockey

Die Eishockey-Torhüterlegende Patrick Roy peilte sein Tor immer rückwärts an. Erst im letzten Moment drehte er sich um. Warum? Er bildete sich ein, dass das Tor dadurch kleiner wird. Während des Spiels kommunizierte er mit dem Gehäuse und bedankte sich bei diesem nach Pfosten und Lattenschüssen.

Kommunikation ist alles.

15. Wayne Gretzky, Eishockey

Mit der Fürsorge für seinen Hockeystock nahm es der Superstar Wayne Gretzky „The Greatest One“ sehr genau. Nachdem er seine Schaufel mit Klebeband umwickelt hatte, pflegte er sie im Finish mit Babypuder.

Er schätzte es nicht sehr, wenn andere Stöcke seinen berührten, und meinte: „Es ist eine Frage, wie du dich um das kümmerst, was sich um dich kümmert.“

Sich um sein Baby zu kümmern ist alles!

16. Tony Lockett, Australian Football

Die Legende Tony Lockett zeigte sich nicht so selbstsicher, wie man es von einem solchen Kaliber erwarten würde. Aus Angst vor Krankheiten hat er am Tag des Spiels nicht gegessen. Ohne seine alte Adidas-Sporttasche ging auch nichts. Er war davon überzeugt, dass sie ihn vor Unheil und Katastrophen schützt. Selbst nach einem Sponsorenwechsel blieb diese sein treuer Begleiter. Am Karriereende war diese ziemlich am Ende.

Bis zum bitteren Ende.

17. Laura Trott, Rad

Seitdem die Olympiasiegerin Laura Trott die Junioren-WM mit einer nassen Socke gewonnen hat, schwört sie auf dieses Gefühl. Sie sieht es als Schlüsselfaktor für ihren Erfolg an. Deshalb steht sie vor jedem Rennen auf einem nassen Frotteetuch. Bisher hat es geholfen.

Wet, wet, wet.

18. Michael Phelps, Schwimmen

Der Superstar und mehrfache Olympiasieger betritt die Arena immer mit seinen übergrossen Kopfhörern und dem Sound von Eminem, Jeezy und Eric Church. Nachdem er sich der Kopfhörer entledigt hat, schwingt er seine Arme exakt drei Mal vor dem Startblock.

Let’s rock!

19. Santo Condorelli, Schwimmen

Der junge kanadische Schwimmer rockt das Stadion auf eine andere Weise. Vor dem Start zeigt er jeweils den Mittelfinger. Nein, nicht gegen das Publikum oder seine Kontrahenten. Weil er als kleiner Junge immer gegen ältere Schwimmer verloren hatte, entwickelte sein Vater mit ihm dieses Ritual für ein besseres Selbstvertrauen. Seit seinem achten Lebensjahr zeigt er seinem Vater vor jedem Start den Mittelfinger. Dieser erwidert die Geste.

F… them before they f… you.

20. Mo Farah, Leichtathletik

Der mehrfache Olympiasieger Mo Farah mag das Gefühl von weicher Kopfhaut. Vor dem Wettkampf rasiert er seinen Schädel. Hinterher geniesst er das kühle Nass auf seinem Kopf unter der Dusche.

Das ist richtig cool, oder?

21. Anna Seidel, Short Track

Die junge deutsche Short Trackerin hat es mit der Zahl drei. Sie macht alles drei Mal. Sie trinkt in drei Schlucken, klopft drei Mal auf Holz etc. Nur, weil sie am 31.3. Geburtstag hat. Das ist aber noch nicht alles. Ihr Glücksschwein ist auch immer mit von der Partie.

Drei Mal schwarzer Kater.

22. Tiger Woods, Golf

Am Finaltag schwört Tiger Woods auf sein rotes Nike-Shirt. Seine Mutter sagte ihm einst: „Rot ist die Farbe der Energie für Steinböcke.“ Als vorbildlicher Sohn hörte er natürlich auf sie. Das brachte ihm ein weiteres begehrtes Kleidungsstück: Das grüne Jackett für den Masters-Sieg in in Augusta.

Kleider machen Leute.

23. Tommy Haas, Tennis

Für Tennisspieler hat das siebte Game eine spezielle Bedeutung. Besonders für Tommy Haas. Vor jedem Match lässt er sich genau sieben Schläger bespannen, die er in seine Tasche steckt. Besonderes Glück brachte ihm dieses Ritual bei den Majors nicht.

Alles für die Katz?

24. Lewis Hamilton, Formel 1

„Nicht ohne meine Gitarre“ ist die Devise des Formel-1-Weltmeisters Lewis Hamilton. Diese reist immer mit. Vor jedem GP trainiert er zudem auf der Spielkonsole, um sich die Strecke einzuprägen. Witzig, oder?

Let’s play the game.

25. Gary Lineker, Fussball

Der ehemalige englische Nationalspieler sparte sich seine Schüsse für das Spiel auf. Beim Aufwärmen schoss er nie aufs Tor. Die Torschüsse hat er sich für das Spiel aufgehoben und wollte sie nicht schon beim Warm-up verschleudern.

Achtung! Ab jetzt wird scharf geschossen.

26. Kolo Touré, Fussball

Der Verteidiger des FC Liverpool war massiv abergläubisch. Das Spielfeld wollte er immer als Letzter betreten. Das führte so weit, dass er sich einmal geweigert haben soll, aufs Spielfeld zu gehen. Ein Mitspieler wurde noch in der Kabine behandelt, als die zweite Halbzeit angepfiffen wurde. Erst als dieser wieder auf dem Platz stand, kam Kolo zurück auf den Rasen. Prinzipien müssen sein.

Dumm oder dümmer?

27. Jack Russell, Cricket

Jack Russell war in der 80er und 90er Jahren ein englischer Cricket-Nationalspieler mit einem besonderen Tick. Jack Russell liebte seinen Tee oder besser gesagt seinen Teebeutel. Während dem ganzen Spiel machte er seinen Tee immer mit dem gleichen Teebeutel. Diesen hängte er an seinen Garderobenhaken … bis zum nächsten Tee. Dazu musst du noch wissen, dass Cricket-Spiele (1. Class Cricket und Länderspiele) drei bis fünf Tage dauern.

Nach dem Spiel war er ausgelaugt.

28. Markus Ryffel, Leichtathletik

Der Olympia-Silbermedaillengewinner von 1984 schwor auf ein Schinkensandwich als letzte Mahlzeit vor dem Wettkampf. Aus gutem Grund: Weil er 1973 bei einem Wettkampf im Letzigrund (Zürich) das Mittagessen verpasst hatte, musste er sich mit einem Schinkensandwich begnügen. Stunden später verbesserte er den Junioren-Europarekord über 5000 m. Ab diesem Zeitpunkt war die „Henkersmahlzeit“ definiert.

Weniger ist manchmal mehr.

29. Marco Di Carli, Schwimmen

Der deutsche Schwimmer Marco di Carli schreit sich vor jedem Start die Seele aus dem Leib und schüchtert seine Gegner ein. Manchmal hilft’s.

Gut gebrüllt, Löwe!

Natürlich gibt es noch eine Unmenge von anderen Ritualen im Sport. Ich denke dabei beispielsweise an den Haka und all die schrägen Team- und Aufnahmerituale.

Ein originelles Teamritual haben die deutschen Schwimmer. Teamneulinge werden versteigert. Der Ersteigerte steht dann für einen Tag im Dienst von seinem (Ge-)bieter und muss ihm seine Wünsche erfüllen.

Hoffen wir, dass die Gebieter gnädig gestimmt sind. 😉

Kultstatus erlangte ein Tintenfisch. Nein, ich meine nicht die Krake Paul. Zwei Fischhändler warfen 1952 bei eine Play-off-Spiel der Detroit Red Wings einen Oktopus auf das Eis. Die Red Wings gingen als Sieger vom Platz. Seither ist der Oktopus omnipräsent im Stadion der Detroit Red Wings. Ab und an kommt es noch vor, dass die Fans einen Oktopus auf das Eis werfen.

Ob in den Pausen Calamares serviert werden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Rituale: Sinn oder Unsinn?

Rituale sind nicht als Belustigung für die Zuschauer und die Leser gedacht. Auch wenn sie zweifelsohne Unterhaltungswert haben.

Rituale geben Athleten Sicherheit und Struktur. In seiner Autobiografie schreibt Rafael Nadal:

„Es ist mein Weg, um mich in meinem Spiel zu positionieren, die Dinge um mich herum so zu ordnen, wie ich meinen Kopf gern sortiert hätte.“

Warum Rituale sinnvoll sind und warum jeder ein Ritual haben sollte, auf das er stolz sein kann, habe ich bereits in diesem Artikel beschrieben. Warum Glücksbringer kontraproduktiv sind, kannst du hier nachlesen.

Du hast Ritual Nummer 30 vermisst? Dieses ist für dich und dein Lieblingsritual eines Top Athleten reserviert. Teile es mit uns in den Kommentaren.

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.

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