Nur weil ich ein Racket zertrümmert habe, heißt das nicht, dass ich durchgedreht bin. – Roger Federer

Ruhig. Abgeklärt. Mental stark.

So kennst du Roger Federer. Sein Spiel und seine mentale Stärke sind beeindruckend.

Das war nicht immer so.

In jungen Jahren hatte Roger Federer seine Emotionen nicht immer unter Kontrolle. Wutausbrüche, Konzentrationschwierigkeiten sowie zertrümmerte Rackets waren bei ihm eher die Regel als die Ausnahme.

Seine mentale Stärke, sein Talent, sein Spielwitz und sein Schlagrepertoire sind also nicht angeboren, wie das manche vermuten.

Zweifelsohne bringt er ausserordentliche Grundvoraussetzungen mit, die ihm diese Karriere ermöglichten. Das Geheimnis seines Erfolgs sehe ich jedoch nicht in seinem Talent.

Und genau deshalb kannst du eine Menge von Roger Federer lernen.

Rogers secrets of success

1. Habe ein Ziel

Die Nummer 1 werden, Turniere und Grand Slams gewinnen, Rekorde brechen: Roger hatte sein Ziel immer vor Augen. Eines trägt ihn offensichtlich ganz besonders.

Wimbledon ist das grösste Ziel von Roger Federer.

Der heilige Rasen von Wimbledon motiviert den Maestro ungemein. Vielleicht hat ihm dieses Ziel geholfen, seine langanhaltende Durststrecke ohne Grand-Slam-Titel zu meistern? Zurückzukommen und den heiligen Rasen erneut als Sieger zu verlassen, scheint für ihn wie eine Motivationsspritze zu sein.

Ohne Ziele keine Handlung. Das weiss auch Roger Federer sehr gut.

Welche Ziele motivieren dich? Und was ist dein grosser Traum?

2. Hab Spass

Sport, Spiel und Spass – das denke ich, wenn ich Roger auf dem Platz sehe. Mit wie viel Freude er nach Jahren noch spielt, ist für mich mehr als beeindruckend und einer seiner Erfolgsfaktoren.

Der Spass auf dem Platz und sein Humor sind auch bei seinen Commercials, Youtube-Filmchen, Exhibitions und auch bei regulären Spielen gut zu sehen. Das ist immer wieder ein Genuss!

Nur mit Disziplin gewinnst du keinen Blumentopf.

Stehst du mit Spass auf dem Platz?

3. Geh achtsam mit deinem Körper um

Roger Federer blieb lange von Verletzungen verschont. Das hat er seiner Fitness und einem achtsamen Umgang mit seinem Körper zu verdanken.

Tat er es nicht, kam die Quittung postwendend. Wie 2013, als sich der Rücken bemerkbar machte und er dem nicht genügend Beachtung schenkte. In einem Tagesanzeiger-Interview vor den US Open 2013 sagte er:

«In Hamburg hätte ich nicht mehr spielen sollen, nachdem die Probleme wieder aufgetaucht sind. Und in Indian Wells auch nicht. Aber so bin ich halt. Ich spiele einfach weiter, gebe nie auf.»

Clever war das bestimmt nicht, doch er hat daraus gelernt. Heute nimmt er sich genügend Zeit für Erholung und Regeneration.

Achtest du auf deinen Körper oder spielst du auch mit Verletzungen?

4. Lerne dazu

Roger Federer optimiert, verbessert und lernt laufend dazu. So hat er beispielsweise 2010 Paul Annacone engagiert, um besser Serve-und-Volley sowie Chip-und-Charge zu spielen. Oder den SABR (Sneek Attack by Roger) entwickelt und in sein Schlagrepertoire aufgenommen.

Er ist für mich ein hervorragendes Beispiel für lebenslanges Lernen, auch wenn er noch jung ist. Auf seinen Lorbeeren ruht er sich nicht aus. Er entwickelt sich laufend weiter. Natürlich hat sein stark ausgeprägtes Leistungsmotiv einen Einfluss auf diese Entwicklung.

I definitely feel there’s room for improvement. – Roger Federer

Lernst du laufend dazu?

5. Spiele für dich

Es wäre besser, wenn er zurücktritt. Ein grosses Turnier wird er nicht mehr gewinnen und er hat den Absprung verpasst. Vor ein paar Jahren war das der Grundtenor der Journalisten und Experten.

Und was hat Roger Federer getan? Sich die Kritik angehört und weiter gespielt. Er hat sein Ding gemacht, unabhängig davon, welche Meinung die Journalisten und Experten dazu hatten.

Seriously. I’m not playing to prove anything to journalists. I’m playing for myself, for my fans, to make people happy. – Roger Federer

Im Nachhinein hat der Maestro alle Lügen gestraft. Es hätte auch anders kommen können. Und?

Er hat für sich gespielt, sein Ding durchgezogen und seinen Plan verfolgt, wie er es schon immer getan hat. Mit Erfolg!

Spielst du für dich?

6. Habe ein Umfeld, das dich unterstützt

Der Maestro wählt(e) sein Umfeld immer mit Bedacht. Der „innere Kreis“ scheint von aussen betrachtet sehr stabil und seine Frau Mirka sowie die Eltern stärken ihm den Rücken. Skandale und Beziehungsstress – zum Glück Fehlanzeige.

Ein intaktes soziales Umfeld ist für jeden Athleten ein Erfolgsfaktor!

Hast du ein soziales Umfeld, auf das du zählen kannst?

7. Arbeite für deinen Erfolg

Nur mit seinem Talent wäre Roger Federer nicht die Nummer eins geworden. Die fehlende Athletik konnte er damit anfänglich kompensieren. Die Zusammenarbeit mit Pierre Paganini hat ihn zu einem hervorragenden Athleten gemacht, der auch heute noch über fünf Sätze mit den Jungen mithalten kann.

Roger weiss, dass Stillstand Rückschritt ist und auch er nichts geschenkt bekommt.

Wegen einer Meniskusverletzung musste er sieben Monate pausieren. In dieser Zeit hat er sich nichts geschenkt und sich mit harter Arbeit auf sein Comeback vorbereitet.

There is no way around the hard work. Embrace it. – Roger Federer

Danach hat er in Melbourne, Indian Wells und Miami gewonnen. Wer hätte das gedacht.

Arbeitest du für deinen Erfolg?

8. Mach Pause

Das Alter lehrte Roger, noch besser auf die Signale seines Körpers zu hören. Das ist eine Eigenschaft, die du nicht früh genug lernen kannst. Ohne Regeneration keine Leistung!

Die meisten Athleten haben ein Regenerations- und kein Leistungsproblem.

Heute spürt Roger Federer sehr gut, wenn er eine Pause für Geist und Körper braucht.

Weisst du, wenn du geistige und körperliche Pausen brauchst?

9. „Don’t panic“, wenn du unter Druck bist

Roger Federer hat schon einige Spiele erlebt, bei denen er an die Wand gespielt wurde. Oft flogen ihm die Bälle um die Ohren, wie in Spielen gegen Djokovic, Nadal, Murray und andere. Und das, obwohl er sein bestes Tennis gespielt hat.

Was hat er getan? Ruhe bewahrt und weiterhin gutes Tennis gespielt.

Er hat Zweisatzrückstände aufgeholt, in fünf Satzkrimis Matchbälle abgewehrt oder im Entscheidungssatz nach einem Breakrückstand die Niederlage in Extremis abgewendet.

Was heisst das für dich?

10. Spiele jeden Punkt

Für Roger Federer spielt es keine Rolle, ob er für den Punkt, den Satz, den Match oder für 40:15 aufschlägt respektive retourniert oder einen Matchball abwehren muss.

Er spielt jeden Punkt.

Mit dieser Einstellung konnte er viele Spiele für sich entscheiden oder den Kopf aus der Schlinge ziehen, als es eng wurde.

11. Never give up

Egal wie der Spielstand ist, Roger Federer gibt nicht auf.

Selbst wenn sein Gegner gerade einen Lauf hat, er hoffnungslos zurückliegt oder ihm die Bälle um die Ohren fliegen, fokussiert er sich auf seine Stärken und das, was er kann. Gut Tennis spielen.

Kopf hängen lassen? Das gibt es nicht bei Roger Federer.

Wobei es die eine oder andere Ausnahme gibt. Das finde ich jedoch menschlich. Schliesslich ist ein Sportler kein Roboter, oder?

Gab es Situationen, in denen du dich innerlich aufgegeben hast?

12. Denke wie ein Champion

Um ein Champion zu sein, musst du auch wie einer denken. Viele Sportler meinen, dass mit den Siegen auch das Selbstvertrauen kommt. Leider Fehlanzeige.

Roger Federer sagte, dass du zuerst den Glauben an dich selbst und Selbstvertrauen aufbauen musst, bevor du Spiele gewinnen kannst.

Wie du das schaffst? Mit regelmässigem mentalem Training. Zum Beispiel mit dem Visualisieren von Erfolgen und starken emotionalen Bildern, wie du brilliant auf dem Platz stehst und gut spielst.

Denkst du wie ein Champion?

13. Mache dich nicht selber fertig

Nach einer miserablen Rückhand, einem verpassten Matchball oder einem schlechten Satz solltest du dich nicht selber fertigmachen, kritisch sein und dich mit negativen Selbstgesprächen in eine Negativspirale bringen.

„I’m a very positive thinker, and I think that is what helps me the most in difficult moments.“ – Roger Federer

Gedanken sind immer da. Roger Federer spricht positiv mit sich, damit es nützlich für ihn ist. Oft unterstützt er eine Aussage wie „Come on, Roger“ mit einer geballten Faust oder einem anderen Embodiment.

Wie sprichst du mit dir?

14. Akzeptiere Niederlagen

Roger Federer musste schon des Öfteren bittere Pillen schlucken. Ich denke dabei an Matches, die er aus der Hand gegeben hat, oder an das epische Wimbledon-Finale 2008 gegen Rafa Nadal, das er nach 4 Stunden 48 Minuten in der Dunkelheit 6:4, 6:4, 6:7 (5:7), 6:7 (8:10) und 9:7 verloren hat.

Das sind sehr schmerzliche Niederlagen. Er hat sie akzeptiert und den Gegner für seine Leistung gewürdigt. Ausreden? Fehlanzeige. Wenn einer besser ist, darf man ihn dafür würdigen.

Sometimes you have to accept that a guy played better on the day than you. – Roger Federer

Akzeptierst du Niederlagen?

15. Fokussiere dich

Nicht jeder Wettkampf ist wichtig! Die Grand Slams, allen voran Wimbledon, haben für Roger Federer den höchsten Stellenwert. Das siehst du auch in seiner Saisonplanung.

Nicht jeder Wettkampf ist wichtig. Er fokussiert seine Planung auf die Saisonhighlights.

Auf was fokussierst du dich?

16. Mache mentales Training

Roger Federers mentale Stärke war nicht angeboren.

Ein Schlüsselerlebnis, an seiner mentalen Stärke zu arbeiten, dürfte das verlorene Spiel gegen den Italiener Franco Squillari bei den Hamburg Masters 2001 gewesen sein. Kurz nachdem er das Match verloren hatte, zertrümmerte er wieder sein Racket.

Danach realisierte Roger, dass seine unkontrollierten Emotionen ihn davon abhalten, sein ganzes Potenzial auszuschöpfen. Er hat sich entschieden, dies zu ändern.

Ab diesem Zeitpunkt wurde der Maestro ruhiger, abgeklärter und mental stark. Er hat gelernt, seine Emotionen so zu steuern, dass er seinen optimalen Leistungszustand in (fast) jedem Moment abrufen kann. Bei den Big Points packt er heute noch seine besten Schläge aus.

Auch er hat mit einem Mentaltrainer gearbeitet.

Erinnerst du dich an den Erfolgsfaktor Nr.12, „Denke wie ein Champion“? Dort visualisiert Roger seinen Erfolg. Das Visualisieren ist die Mutter des mentalen Trainings im Sport.

Redest du von mentaler Stärke oder trainierst du sie schon?

Fazit

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Roger Federer brachte sehr gute Grundvoraussetzungen mit und er nutzte seine Möglichkeiten.

Der Erfolg ist ihm nicht zugeflogen. Er hat ihn sich erarbeitet und sich persönlich, technisch, taktisch und mental entwickelt. Für mich ist Roger eine herausragende Sportlerpersönlichkeit, von ihm kannst du viel lernen. Auf und neben dem Platz.

I always had the dream that, once I became No 1 in the world, that if I had a child I hoped I would have it early enough so the child can see me playing. – Roger Federer

Was kannst du von Roger Federer lernen?

Ich freue mich, wenn du mir deine Erkenntnis als Kommentar hinterlässt. Falls ich etwas vergessen haben sollte, ergänze ich das gerne.

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit mentaler Stärke alles ein wenig einfacher geht.
PPS: Und mit dem Unbewussten im Boot geht es noch besser.

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