„Yuppie, ich bin im Halbfinal.“ Schon ein paar Minuten nach ihrem Lauf kam dieser Post von Laura. Ihre Vorbilder sind die Leichtathletik-Stars, die so ziemlich alles posten, was du dir vorstellen kannst.

Vor allem nach Erfolgserlebnissen dauert es nur ein paar gefühlte Zehntelsekunden, bis die Meldungen auf Facebook und Twitter erscheinen.

Komischerweise dauert es bei Niederlagen oder Frusterlebnissen eine gefühlte Ewigkeit, bist eine Nachricht gepostet wird. Wenn überhaupt darüber berichtet wird. 😉

Laura kopiert das Verhalten von ihren Idolen seit ein paar Monaten und postet, was das Zeugs hält. Ihr Trainer Roger und die Teamkolleginnen haben ein wenig Mühe mit ihrem neuen „Tick“.

Sogar ihr Bruder Luca (der Biker) äusserte sich negativ über die überdurchschnittliche Facebookpräsenz von Laura. Ihm gibt vor allem die Tatsache zu denken, dass sie bei Wettkämpfen mehr oder weniger konstant auf Facebook online ist.

„Wo ist dein Fokus während dem Wettkampf?“, hat er sie einmal gefragt. „Ich muss doch meine Fans informieren“, gab sie schnippisch zurück. Geschwisterliebe 😉

Worüber sich Laura nicht bewusst ist: Ihre Social-Media-Aktivitäten und die Facebooknachrichten anderer beeinflussen ihre Stimmung und damit auch ihre Leistung. Und das nicht nur positiv.

Ihr Unbewusstes spielt dabei eine grössere Rolle, als ihr vielleicht lieb ist.

Auch du wirst von deiner Facebook-Timeline beeinflusst. Mehr als dir das bewusst ist. Facebook entscheidet, was du zu sehen bekommst.

Kennst du das umstrittene Experiment von Facebook?

Facebook manipuliert!

Facebook hat im Januar 2013 ein faszinierendes Experiment gemacht. Während einer Woche haben sie die Timeline von rund 700.000 Usern manipuliert. Mit der Studie wollte Facebook herausfinden, wie sich negative und positive Nachrichten in Netzwerken verbreiten.

Facebook wurde dafür heftig kritisiert. Ich finde das Experiment sehr spannend und wertvoll. Vor allem regt es zum Denken an!

Die von Facebook ausgesuchten „Versuchskaninchen“ haben nicht gewusst, dass sie für ein grosses Experiment missbraucht wurden. Die Nachrichten ihrer Facebookfreunde sind nach ihrem „Emotionsgehalt“ vorgefiltert worden.

Eine Gruppe der „Versuchskaninchen“ bekam ausschliesslich Nachrichten mit positivem Inhalt, die andere Gruppe Nachrichten mit negativem Inhalt in ihrem Profil angezeigt.

Die „Versuchskaninchen“ die vorwiegend Nachrichten mit positivem Inhalt präsentiert bekommen haben, verbreiteten selber mehr positive Nachrichten und umgekehrt. Hmm …

Bei der Studie ist deutlich sichtbar geworden, dass die „präsentierten Gefühle und Emotionen“ ansteckend sind.

Was heisst das?

Facebooknachrichten können deine Stimmung beeinflussen!

Das passiert unbewusst!

Unter diesem Aspekt kann ich die Sorge von Lauras Trainer und ihrem Bruder gut nachvollziehen.

Würdest du denn deine Stimmung und deine Leistung von Facebook abhängig machen?

Mit Social Media direkt ins Verderben

Social-Media-Kanäle sind auch wunderbar geeignet, seinem Frust freien Lauf zu lassen.

Den Beweis, dass Social Media die Gefühle und das Verhalten beeinflussen, lieferte auch das Australische Schwimmteam bei den Olympischen Spielen 2012 in London.

Das Team hat weit unter den Erwartungen abgeschnitten. Für die Verantwortlichen war das Grund genug, die Faktoren für den Untergang zu analysieren.

Es gab diverse Faktoren, die zum schlechten Abschneiden geführt haben. Die Erwartungshaltung (nur Gold zählt), fehlende Führung, teilweise krasses Fehlverhalten der Athleten und vor allem zwischenmenschliche Probleme. Die Folge war eine „vergiftete Stimmung“ im Team.

Weil die Stimmung so miserabel war und der Zusammenhalt im Team fehlte, gingen die Olympischen Spiele von London als „Lonely Olympics“ in die Geschichte der Australischen Schwimmer ein.

Es ging so weit, dass sich die Athleten eine regelrechte Schlacht um Aufmerksamkeit lieferten, die sich unter anderem auf Social Media ausweitete. Das hatte einen negativen Einfluss auf die Gesamtsituation und die Leistungen der Athleten!

Es gab diverse Athleten, die sich nicht scheuten, die Konflikte im Team öffentlich über Social Media auszutragen. Sie liessen ihrem Frust freien Lauf und engagierten sich lautstark in Diskussionen. Anstatt sich in Ruhe auf sich und den Wettkampf zu fokussieren.

Fans solidarisierten sich mit den Athleten und trugen ihren Teil zum Fiasko bei.

Die 100-m-Rücken-Spezialistin Emily Seebohm hat ihre überdurchschnittlich starke Social-Media-Präsenz während den Olympischen Spielen für ihr Versagen verantwortlich gemacht.

Wie war das noch einmal mit der ansteckenden Stimmung?

Du kannst dir sicher gut vorstellen, dass der Team Spirit dadurch nicht besser geworden ist. Im Gegenteil.

Kurz gesagt: Die Stimmung ist richtig mies gewesen und die Ergebnisse auch!

Die Fans: Zwischen Verehrung und Shitstorm

Die Kommunikation von Athleten und Fans hat sich sehr stark auf Social Media verlagert. Fans können mit ihren Kommentaren, Glückwünschen und Aufmunterungen extrem motivierend, andererseits auch ein „pain in the ass“ sein.

Vor allem, wenn es einmal nicht so gut läuft oder sie unzufrieden sind und sie auf den Social-Media-Profilen ihren Frust über die schlechten Leistungen oder Fehltritte ihrer Idole auslassen.

Zwischen Verehrung und einem Shitstorm liegt oft nur ein einziges Wort oder ein falsches Foto.

Der Tennisspieler Tommy Haas bekam dies im Rahmen der diesjährigen US Open sehr deutlich zu spüren, als er ein Bild von sich und Donald Trump gepostet hat.

Auch Roger Federer wurde im Februar 2015 nach einer misslungenen Werbeaktion und einem Socia-Media-Fehltritt mit einem Shitstorm eingedeckt.

Und dennoch sind Social Media nicht mehr aus dem Sport wegzudenken und ein Teil vom Spiel geworden.

Die Frage ist: Wie gehst du damit um?

Entscheide selbst!

Was für Informationen gibst du von dir preis und was konsumierst du?

Du kannst dich auf Facebook einchecken und hoffen, dass deine Stimmung nicht durch negative Nachrichten und Posts beeinflusst wird.

Wenn du viele Negativ- und „Bad News“-Poster unter deinen Facebookfreunden hast, dann wird das jedoch schwierig.

„Ich habe einen Scheisstag“
„Bist du auch so demotiviert wie ich?“
„Es ist zum K….“

Die Liste könnte beliebig weitergeführt werden. Das Schlimme daran: Du hast keinen oder nur bedingt Einfluss, was dir in den Social Media für Informationen präsentiert werden. Facebook manipuliert und was deine Facebookfreunde teilen, kannst du schwer beeinflussen.

Negative Postings sind weit verbreitet. Oft bekommen diese mehr Aufmerksamkeit als gute Nachrichten. Vor allem, wenn ein Thema die Social-Media-Welt beeinflusst und viral wird, kannst du dich kaum davor retten.

Wenn du zwischen den Wettkämpfen die ganze Zeit auf Facebook herumturnst, dann kann es passieren, dass sich deine Gefühlslage verändert. Das läuft unbewusst ab!

Bei Laura gab es deutliche Anzeichen, dass ihr Social-Media-Verhalten ihre Leistung negativ beeinflusst.

Auf ihrem Facebookprofil hat sich jemand kritisch geäussert. Weil sie nach ihrem Vorlauf sofort wieder online war, hat sie das mitbekommen. Der fiese Kommentar einer Kollegin hat sie so sehr getroffen, dass sie sich heftig aufgeregt hat. Sogar ihre Teamkolleginnen mussten sich ihren Frust anhören.

Im folgenden Halbfinale ist ihre Leistung alles andere als gut gewesen. Sie war so aufgewühlt, dass sie ihre Emotionen nicht mehr in den Griff bekam. Auch ihre Körperhaltung sprach Bände.

Wenn du zwischen zwei Serien eine schöne „Negativdosis“ bekommst oder einer deiner „Freunde“ etwas gepostet hat, das dich aufwühlt …

… dann hast du das grosse Los gezogen.

Möchtest du in dieser Stimmung deine nächste Serie bestreiten? Ich bezweifle das.

Wäre es es nicht besser, wenn du dich auf den Wettkampf und deine nächste Serie fokussierst?

Was tun?

Als ich wieder einmal beim Training zu Besuch war, habe ich auch mit Laura gesprochen.

Sie war sehr offen und sagte ehrlich, dass sie sich immer wieder nervt und sich ihre somatischen Marker deutlich bemerkbar machen. Dennoch kann sie die Finger nicht von Facebook lassen.

Ich habe ihr einen kleinen Ideenkorb mit Möglichkeiten gegeben, wie sie zukünftig besser mit ihrem Facebooktick umgehen kann.

  1. Schalte dein Smartphone während dem ganzen Wettkampf aus (nicht nur auf Flugmodus schalten).
  2. Poste die Ergebnisse erst am Ende des Wettkampftages.
  3. Lösche Facebook und Twitter von deinem Smartphone und mache die Wettkampf-Updates immer zu Hause.
  4. Bereite die Texte für gute/weniger gute Wettkämpfe vor und poste sie mit einer App wie beispielsweise Buffer. Das ist one way und du musst dafür nicht in dein Facebookprofil
  5. Gibt deinem Trainer, einem Vereinsfunktionär oder einem Bekannten den Auftrag, Resultate oder Bilder auf deinem Profil zu posten. Dann ist es zeitgerecht und du hast weder Aufwand noch Emotionen.
  6. Und ein genereller Tipp: Miste deine Facebook-Timeline aus, verabschiede dich von „Negativpostern“ und mach dir eine „Best Friend Timeline“. Wie das geht? Thomas Mangold hat dazu einen tollen Blogartikel mit Video-Anleitung geschrieben.

Laura hat sich für die Variante 1. und 2. entschieden und sich den Tipp von Thomas zu Herzen genommen. Sie schaltet ihr Smartphone aus und berichtet erst nach dem Wettkampf von ihren Leistungen.

Seither ist sie wieder gelassener und fokussiert sich im Wettkampf wieder aufs Laufen. 🙂

Zudem hat sie noch einen interessanten Blog Artikel gefunden, den sie mir schickte. „Die Facebook-Falle“. Das spricht doch Bände, nicht?

Für ihren grössten Fan Luca bringt das einen erheblichen Nachteil. Er muss jetzt lange warten, bis er weiss, wie es für seine Schwester gelaufen ist.

Fazit

Facebook und andere Social Media beeinflussen dein Unbewusstes und damit auch deine Leistung in einer Art und Weise, die du selber nur bedingt steuern kannst.

Wenn du Pech hast, dann ruiniert dir Facebook deinen Wettkampf. WebFalle

Klar sind gute Nachrichten und Bestätigungen aus dem Social-Media-Umfeld sehr motivierend. Jede Medaille hat zwei Seiten.

Nutze Social Media sparsam vor und während den Wettkämpfen. Vor allem dann, wenn du Mühe hast, deine Stimmung zu regulieren.

Du hast es selbst in der Hand. Entscheide selbst, was gut für dich ist.

Lass dein Smartphone für einmal zu Hause, schalte es aus und schaue, wie es sich auf deine Leistung auswirkt. Du wirst überrascht sein, wie befreiend das ist.

Und überlege dir gut, was du auf Social Media teilst.

Folgende Regel kann ich dir anbieten: Achte auch auf die Signale von deinem Unbewussten.

Ein positiver somatischer Marker (gutes „Bauchgefühl“) sagt dir, alles o.k., das passt. „Go ahead“.

Hast du jedoch ein ungutes Gefühl und ein Grummeln im Bauch, solltest du deinen Social-Media-Post noch einmal überdenken. Das heisst „Stop“!

Ich wünsche dir gutes Gelingen und viele motivierende Nachrichten auf deinem Facebookprofil.

Übrigens … auch ich freue mich über positive Kommentare und Likes von dir. 🙂 Diese sind auch für mich sehr motivierend. Go ahead. 🙂

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.

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