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„Federer scheitert wieder an Canas. Wird Guillermo Canas zu Roger Federers Angstgegner?“ (Blick, 28.3.2007) Auch grosse Sportler und  Vereine haben Angstgegner. Manchmal wird ihnen der Angstgegner auch angedichtet. Wie schaut das bei dir aus?

Hast du einen Angstgegner, der deine Leistung negativ beeinflusst und gegen den du immer das Nachsehen hast?

Ich zeige dir, wie du ihn wieder los wirst.

Deinen Angstgegner machst du selbst

Deinen Angstgegner definierst du selbst. Genau genommen existiert er nur in deinem Kopf. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass Niederlagen sehr schmerzhaft sein können. Vor allem, wenn du immer wieder gegen den gleichen Gegner (knapp) verlierst.

Bei einem wiederholten „Versagen“ kann die Vorstellung entstehen: „Gegen den habe ich sowieso keine Chance.“

Je öfter du dich in einer solchen Situation noch negativ bestätigst, desto schlimmer wird es für dich. Und wenn du dann wieder gegen den Gleichen verloren hast, kannst du dir wieder auf die Schulter klopfen und sagen: „Ich habe ja gewusst, dass ich keine Chance habe.“

Bringt dich diese Haltung weiter?

Ich glaube es nicht.

Je öfter du das tust, desto stärker wird es in deinem Unbewussten verankert. Wenn diese Haltung zu einem Muster wird, dann hast du ein echtes Problem!

Selbst wenn du dir mit dem Verstand einredest, dass du alles im Griff hast, hilft dir das nicht weiter. Vor allem, wenn dein Unbewusstes andere Signale sendet.

Mir haben Sportler schon erzählt, dass sie gegen Person X nicht gewinnen können, weil der die besseren Sponsoren hat, bessere Trainingsbedingungen, den besseren Trainer oder was auch immer.

Das ist eine super Haltung! 😉 Diese Einschränkung findet nur in deinem Kopf statt und hat nichts mit deinem Gegner zu tun. Guillermo Canas hat Roger Federer auch geschlagen, obwohl er auf dem Papier keine Chance hatte.

Dann gibt es noch die Medien, die vor allem bei Top-Athleten einen Angstgegner gerne medienwirksam inszenieren. Für den Athleten ist das nicht immer förderlich. Vor allem, wenn er die Story glaubt.

„Angstgegner oder nicht – das entscheidest du selbst“

Eine Sache der Bewertung

Stell dir vor, du läufst 3 m über ein am Boden liegendes 30 cm breites stabiles Brett. Ist das schwierig? Nicht wirklich. Das kannst du sogar mit verbundenen Augen, ohne dass du dabei ins Straucheln kommst.

Jetzt heben wir das Brett auf eine Höhe von 25 m an. Links und rechts siehst du den Abgrund. Läufst du immer noch (blind) über das Brett?

Nicht? Das überrascht mich. Hast du das Laufen in der Zwischenzeit verlernt? Wohl kaum. Auf einmal machst du dir einen Kopf. Alleine beim Gedanken an die luftige Höhe läuft es dir kalt den Rücken hinunter.

Du bekommst Angst, weil du die Situation bewertest und dir dein Gehirn ausmalt, was alles passieren könnte. Das läuft unbewusst ab.

Was passiert, wenn …

  • … ich einen Misstritt mache
  • … ich nicht mehr vor und zurück komme
  • … ich herunterfalle
  • … etc.

Wenn in deinem Gehirn nur noch „Was wäre, wenn“-Optionen abgearbeitet werden, ist es so stark belastet, dass du in diesem Moment die einfachsten Sachen nicht mehr auf die Reihe bekommst.

Du blockierst.

Mit deinem Angstgegner ist das nicht anders! Dein Gehirn ist so beschäftigt mit deinem Angstgegner, dass du gar nicht mehr in der Lage bist, deine Möglichkeiten zu nutzen. Abgesehen davon verbrauchst du noch eine Menge Sauerstoff, welcher dir im Wettkampf fehlen wird. Gut möglich, dass du dann schneller „blau“ bist als üblich.

Weniger ist mehr

Heute wird im Sport alles optimiert. Überall wird an Material und Gewicht gespart.

Die Devise: Es darf kein unnötiger Ballast mitgeschleppt werden. Oder hast du schon einmal Radrennfahrer mit Packtaschen gesehen? Sicher nicht.

Ein Profi hat immer nur das dabei, was er braucht.

Und wie schaut es in deinem Kopf aus? Da schleppst du bis an den Rand gefüllte, schwere Packtaschen mit, wenn es zählt. Du machst dir über alles und jeden Gedanken. Vor allem über deinen Angstgegner.

In der „Gewichtsreduktion“ findest du die Lösung.

Auch im Kopf muss das Gewicht reduziert werden. Die prall gefüllten Packtaschen kannst du gut und gerne zu Hause lassen. Die brauchst du im Wettkampf nicht. Jeder unnütze Gedanke ist zusätzliches Gewicht, das sich negativ auf deine Leistung auswirkt.

Im übertragenen Sinne heisst das: Jeder Gedanke, der dich von deinem Ziel abbringt, ist unnötiger Ballast.

Zurück zum Beispiel mit dem Brett in luftiger Höhe. Wenn du über die schmale Brücke läufst, fokussierst du dich auf das, was du am besten kannst. Einen Fuss vor den anderen setzen. Das beherrschst du perfekt. Einfach, nicht?

Selbst bewusst sein

Damit du dich auf deine Möglichkeiten fokussieren kannst, musst du dir selbst bewusst sein.

Wenn du dir selbst bewusst bist, was du für Fähigkeiten hast und was dein Ziel ist, kannst du dich darauf konzentrieren. Du kannst dich deinem Ziel annähern.

Im Wettkampf geht es nicht darum,

  • was du gerne können würdest
  • weshalb dein Angstgegner besser sein könnte
  • was dein Angstgegner schon alles erreicht hat
  • warum du gegen deinen Angstgegner sowieso keine Chance hast
  • warum du das noch nicht perfekt kannst
  • was passieren könnten, wenn …

Es geht einzig und alleine darum, was du jetzt in diesem Moment abrufen kannst.

Was heisst das? Im Wettkampf fokussierst du dich auf das, was du in dem Moment am besten kannst. Eine gute Kür mit schönen Pirouetten oder schnelle 200 m mit einem Blitzstart laufen, perfekt abgestimmt mit meinen Teamkollegen rudern oder was auch immer.

Mentales Training kann dich dabei unterstützen, dass du besser bist, wenn es zählt.

Wie du unschwer feststellen kannst, gibt es mit dieser Sichtweise für deinen Angstgegner keinen Platz.

Wenn du dir selbst bewusst bist, ist auch dein Angstgegner kein Thema mehr. Warum? Weil es in deinem Kopf für Zusatzgewichte keinen Platz mehr hat.

Du weisst ja, ein Profi hat nur das dabei, was er wirklich braucht.

Fazit

Deinen Angstgegner machst du dir immer selbst.

Wenn du nach einer Niederlage den Wettkampf richtig analysierst, wirst du bemerken, dass deine Niederlage wenig mit deinem Angstgegner zu tun hat.

Besinne dich auf deine Stärken! Wenn du dir deiner Stärken bewusst bist, gehst du das nächste Mal wieder mutig, „gewichtsoptimiert“ und „selbstbewusst“ an den Start.

Dann hast du nur dabei, was du wirklich brauchst, und kannst deine Möglichkeiten nutzen.

Manchmal helfen auch kleine Änderungen in der Vorbereitung, damit du die Situation anders bewerten kannst. Bewertet dein Unbewusstes und dein Verstand die Situation gleich, dann hast du das Unbewusste im Boot!

Roger Federer hat seine beiden letzten Begegnungen (2007/2008) gegen Guillermo Cannes deutlich gewonnen. Ob er die Situation vor dem Spiel anders bewertet oder etwas in seinem Ablauf geändert hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Das Ergebnis hat für sich gesprochen.

Hattest du einen Angstgegner, den du für immer und ewig verabschiedet hast? Wenn ja, wie hast du das geschafft?

Ich freue mich, wenn du mir deine Geschichte als Kommentar hinterlässt.

Nutze deine Möglichkeiten!

Martin

PS: Ich bin übrigens der Meinung, dass Athleten, die sich selbst bewusst sind, die besseren Leistungen bringen.

PPS: Und dass mit dem Unbewussten im Boot alles ein wenig einfacher geht.